Alkohol Türkisches Raki-Fest nennt sich nach Verbot Kebap-Fest

Ein Gouverneur untersagt das Festival. Doch so leicht wollen sich die Veranstalter nicht geschlagen geben.

Nach dem Verbot eines "Raki-Festivals" in der südtürkischen Stadt Adana haben Anhänger des traditionellen Anis-Schnapses ihrer hochprozentigen Feier kurzerhand einen anderen Namen verpasst.

Das Event im kommenden Monat heiße nun "Kebap- und Şalgam-Festival", berichtete die Zeitung Hürriyet. Şalgam ist ein alkoholfreies Rübengetränk und hat mit dem traditionellen türkischen Raki-Schnaps (Rakı) rein gar nichts zu tun.

Aus religiösen Kreisen war Kritik an dem "schändlichen" Raki-Festival laut geworden. Adanas von der islamisch-konservativen AKP-Regierung eingesetzter Gouverneur Mustafa Büyük verbot es daraufhin. Eine Begründung für sein Verbot nannte der Gouverneur Büyük nicht.

Die Medien zitierten ihn am Donnerstag lediglich mit den Worten: "Wir wollen nicht, dass die Menschen Alkohol trinken, und wir können das nicht hinnehmen, wenn es in aller Öffentlichkeit geschieht." Der Regierung wird vorgeworfen, die Türkei zunehmend islamisieren zu wollen.

Der gewählte Bürgermeister von Adana, Hüseyin Sözlü von der ultrarechten MHP, sieht darin einen "Eingriff in die individuelle Freiheit". Laut der Zeitung Hürriyet sagte er, man könne den Menschen das Raki-Trinken nicht verbieten. Ohnehin handele es sich nicht um ein organisiertes Fest. Der Journalist Deniz Zeyrek sagte dem Nachrichtensender CNN-Türk, die Behörden mischten sich in das Privatleben der Menschen ein, wenn sie das Festival einfach untersagten.

In Adana kommen jedes Jahr Tausende Menschen am historischen Uhrenturm zusammen, um bei dem Fest Raki zu trinken, zu singen und zu tanzen. Im vergangenen Jahr nahmen etwa 20 000 Menschen teil. Auf der Facebook-Seite des "Kebap- und Şalgam-Festivals" haben bereits knapp 27 000 Menschen ihre Teilnahme für dieses Jahr zugesagt.