Wolfratshauser Politik:50 Millionen für Schulumbau

Großprojekt wird trotz Einsparungen sehr teuer

Die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg in Wolfratshausen ist nicht nur das größte Bauprojekt der Kommune, sondern auch das bislang teuerste. Daran ändern auch die Einsparungen nichts, die der Stadtrat im März beschlossen hat, nachdem die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt mit allen Wunschmodulen auf schwindelerregende 60 Millionen Euro geklettert waren. Auch ohne Tiefgarage, Aula-Neubau und Interims-Container wird das Vorhaben insgesamt wohl knapp 50 Millionen Euro kosten. Das geht aus einer "qualifizierten Kostenschätzung" hervor, die Architekt Ludwig Karl vom Büro karlundp am Mittwoch im Bauausschuss im Rahmen der Vorentwurfplanung präsentiert hat.

In seiner Kostenschätzung, die gemäß einer Forderung des Stadtrats "in der Tiefe einer Kostenberechnung" erstellt worden sei, wie Thomas Wenig von der Verwaltung erklärte, kommt das Büro auf Gesamtbaukosten von 44,2 Millionen Euro, die sich mit einem Risikozuschlag von zehn Prozent auf ein Volumen von 48,7 Millionen Euro erhöhen. Im März, als der Stadtrat nach einiger Verzögerung - zunächst musste ein Einspruch des Altbürgermeisters Erich Brockard geprüft, dann die Machbarkeit eines Alternativ-Vorschlags von Stadtrat Alfred Fraas untersucht werden - die Einsparungen beschloss, galt noch die Schätzung von Oktober 2019, die bei knapp 44 Millionen Euro lag. Die neuerliche Teuerung erklärte Karl vornehmlich mit der Steigerung des Baukostenindex um circa 9,5 Prozent, die allein ein Plus von etwa 3,7 Millionen ausmache. Zudem falle die vom Stadtrat beschlossene Holzhybrid-Bauweise mit etwa 300 000 Euro Mehrkosten ins Gewicht. Auch die dezentralen Lüftungsgeräte, mit denen aufgrund der Corona-Erfahrungen jedes Klassenzimmer ausgestattet werden soll, schlagen zu Buche. "Wir liegen mit der Kostenschätzung noch im Rahmen", sagte Architekt Karl. "Unser Ziel sind nicht 48 Millionen, sondern 44 Millionen." Der Risikozuschlag sei kein Freibrief, die Kosten voll auszuschöpfen.

Für die Stadträte war die Steigerung keine Überraschung. Der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung Josef Praller, als Schreiner seit 44 Jahren mit dem Baugewerbe vertraut, hielt die anvisierten 48,7 Millionen Euro denn auch eher für die "absolute Untergrenze" angesichts der zu erwartenden Entwicklungen. "Wir werden auf einem höheren Niveau landen", prophezeite er. Die Schulentwicklung sei jedoch eine Pflichtaufgabe, die keinen Aufschub mehr dulde. "Wir haben was auf den Weg gebracht und werden das auch nicht mehr umdrehen können." Um den Haushalt zu entlasten, soll zunächst der Grundschultrakt angegangen werden, der wegen der dort herrschenden Raumnot am dringlichsten ist. Der Abschnitt mit geschätzten 12,3 Millionen Euro Baukosten soll voraussichtlich im Frühjahr 2023 beginnen und im Herbst 2025 fertiggestellt werden.

Die Ausschussmitglieder billigten schließlich einstimmig den Vorentwurf samt Kostenschätzung. Genehmigen muss ihn der Stadtrat am Dienstag.

© SZ vom 17.09.2021 / aip
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