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Wolfratshausen:SPD nominiert Fritz Meixner

Die Sozialdemokraten machen den Stadtjugendpfleger in aller Form zu ihrem Bürgermeister-Kandidaten für 2014. Die Stadtratsliste beschließen sie mit bewährten Namen.

Bürgermeisterwahl  2014

Die Kandidatur des 44-jährigen Fritz Meixner erfüllt viele Wolfratshauser SPD-Mitglieder mit neuer Zuversicht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Riege der Wolfratshauser Bürgermeisterkandidaten ist seit Dienstagabend komplett: Die SPD hat als letzte der im Rathaus vertretenen Gruppierungen ihren Aspiranten Fritz Meixner ins Rennen geschickt. Bei der Aufstellungsversammlung in der Flößerei votierten 28 Mitglieder einmütig für den 44-jährigen Wolfratshauser Stadtjugendpfleger, der bisher in Benediktbeuern gewohnt, jetzt aber sein Adressenproblem gelöst hat: Er gibt nunmehr offiziell eine Anschrift an der Wolfratshauser Kanalstraße als Wohnsitz an. Nachdem die Grünen auf einen eigenen Bewerber verzichtet haben, werfen, wie schon 2008, drei Kandidaten den Hut in den Ring: Neben Meixner sind dies Peter Plößl (CSU) und Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung).

Einmütig akzeptierten die Genossen auch die vom SPD-Ortsvorsitzenden Manfred Menke vorgeschlagene Kandidatenliste für den Stadtrat, der am 16. März 2014 neu gewählt wird. Angeführt wird sie von Meixner, auf Platz zwei taucht der Name Berchtold auf - es ist allerdings nicht der vormalige Bürgermeister, sondern dessen Frau Gerlinde, die erstmals einen Sitz im Rat anstrebt.

Das Reißverschluss-System - jeweils eine Kandidatin und ein Kandidat im Wechsel -wird bis Platz 15 durchgehalten, auf den hinteren Rängen rangieren dann nur noch Männer. Das Proporzsystem umfasst auch das Nachrückverfahren - scheidet eine Frau aus dem Stadtrat aus, rückt die jeweils nächste Frau nach oben, analog wird bei den Männern verfahren. Nicht durchsetzen konnte sich die Anregung, die Plätze 5 und 9 zu tauschen, sodass Fritz Schnaller anstelle von Hans Gärtner nach unten gerutscht wäre. Schnaller hätte dagegen auch nichts einzuwenden gehabt - die Wähler suchten sich die Namen ja sowieso selber aus, gab sich Schnaller selbstbewusst.

Gärtner verzichtete dann aber freiwillig auf diese Modifikation der Liste. Vertreten sind darauf die bisherigen Mandatsträger Roswitha Beyer, Fraktionssprecher Renato Wittstadt und Fritz Schnaller sowie der Ortsvorsitzende Menke. Verzichtet haben Reiner Berchtold und Christine Noisser, die dem Stadtrat lange Jahre, nämlich seit 1990, ohne Unterbrechung angehört hat. Sie machte Meixner ein bemerkenswertes Kompliment: Sie könne sich "in den Arsch beißen", dass sie bei einem so tollen Bürgermeisterkandidaten nicht noch einmal angetreten sei.

In seiner Antrittsrede verbreitete Meixner Aufbruchsstimmung - es müsse durch Wolfratshausen "ein Ruck gehen", sagte der Kandidat in Anlehnung an die legendäre Ansprache von Bundespräsident Roman Herzog. Auch den Schriftsteller Jean Paul bemühte Meixner: "Gehe dorthin, wo noch kein Weg ist, und hinterlasse Spuren."

Er maße sich nicht an, die Arbeit des noch amtierenden Stadtrats zu bewerten, nötig aber sei ein "neuer Geist des Miteinanders mit den Nachbargemeinden", warb Meixner um ein besseres Verhältnis insbesondere zu Geretsried. Einen Schwerpunkt versprach er in der Bildungspolitik zu setzen, ja geradezu ein "Wolfratshauser Bildungsmodell" schwebt ihm vor.

Konkret nannte Meixner in diesem Kontext die Jugendsozialarbeit an Grundschulen, als weiteres "Zauberwort" führte er die Inklusion an. Meixners Credo als erfahrener Sozialpädagoge: "Da darf uns kein Mensch verloren gehen". Weitere Programmpunkte des Kandidaten: die Beschaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Gestaltung der Marktstraße und des städtischen Innenraums sowie das Thema S 7-Verlängerung. Da verspricht Meixner die Wolfratshauser Interessen zu wahren - trotz des Ergebnisses, mit dem im laufenden Planfeststellungsverfahren gerechnet werden müsse. Seine Hoffnungen setzt der Bewerber jetzt auf den von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) vor der Landtagswahl in Aussicht gestellten "Runden Tisch". Für Meixner gibt es "nach wie vor eine Planalternative ohne Schranke, die prüfenswert ist", und deshalb müsse schon vorab gehandelt werden.

Eindringlich forderte der Kandidat schließlich die Entwicklung eines Stadtleitbilds bis ins Jahr 2030 - eine Vision, die einigen Genossen denn doch zu langfristig erschien. Das könne leicht allzu abstrakte Formulierungen beinhalten, hieß es.

Seine Vorstellungen muss Meixner jetzt noch den Wolfratshauser Grünen schmackhaft machen - sie wollen ihre Wahlempfehlung nach den Programmen der einzelnen Kandidaten ausrichten.