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Wolfratshausen:Geglückte Operation

30 Millionen Euro haben die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen an der Kreisklinik bisher gekostet. Die 1,3 Millionen Euro teuren neuen Endoskopie-Räume sind gerade fertig geworden.

Thomas Riedel hat als Internist und Gastroenterologe schon durch viele Endoskope geschaut, doch die gestochen scharfen Bilder, die ihm das neue Gerät an der Wolfratshauser Kreisklinik neulich beim ersten Ausprobieren angezeigt hat, haben auf ihn "schon einen gewissen Wow-Effekt" gehabt. Dass dieses neue Endoskop sogar in einem röntgendichten Raum steht, der zudem entsprechend den allerneuesten Hygieneleitlinien baulich vom Vorbereitungsraum abgetrennt ist, freut den Oberarzt zusätzlich, der zusammen mit seinem Kollegen Norbert Niedermann und dem medizinischen Fachpersonal all diese Gerätschaften und den ebenfalls neuen, zur Gefäßverödung bestimmten Argonbeamer hauptsächlich benutzen wird.

Dass die neuen Endoskopieräume nach zwei Jahren Umbauzeit und einem finanziellen Aufwand von 1,3 Millionen Euro nun fertig sind, nahm am Mittwochnachmittag aber auch die gesamte Klinik-Spitze einschließlich dem Ärztlichen Leiter Stefan Schmidbauer, dem Chefinternisten Michael Trautnitz, dem Verwaltungsleiter Hubertus Hollmann und Landrat Josef Niedermaier zum Anlass für eine kleine Feierstunde nebst Rundgang. Die kleine Abteilung dient vor allem für Spiegelungen von Magen, Darm, Gallengefäßen und Atemorganen sowie für kleinere, auch ambulante Eingriffe wie Abtragen von inwendigen Wucherungen und Polypen. Außerdem stehen die Geräte für die Notfallmedizin bereit, eine Endoskop-Einheit ist mobil und kann bei Bedarf auch sofort in den Operationssaal gerollt werden.

Die meisten Patienten setzen zeitgemäße Technik und richtlinientreue Hygiene ohnehin voraus, für sie gibt es jetzt aber auch deutlich mehr Platz und Komfort in Warte- und Untersuchungsräumen. Aus ihrer Perspektive sind die Wände in der neuen Endoskopie noch ein bisschen weißer als in den anderen Gängen, die auf Kniehöhe angebrachten Leisten haben noch keine einzige Delle von allzu forsch rangierten Betten, und die Bilder an der Wand wirken wie aus der allerjüngsten Auflage des Klinikdekorationskatalogs.

Für die Kreisklinik als Wirtschaftsbetrieb ist die neue Endoskopie der letzte Teil einer grundlegenden Sanierung des OP- und Laborbereichs. Damit ein großer Schritt getan im Laufe der seit 1998 andauernden Umgestaltung des ganzen 170-Betten-Hauses, das mit 340 Mitarbeitern jährlich etwa 7700 Patienten stationär versorgt und zudem die nötige Infrastruktur für viele ambulante Eingriffe externer Belegärzte bietet. 30 Millionen Euro habe man bisher verbaut, sagte Verwaltungsleiter Hollmann am Mittwoch, von Herbst an sollen zum vorläufigen Abschluss der Sanierung noch einmal drei Millionen in den auf eineinhalb Jahre veranschlagten Umbau der Intensivstation und des Aufwachraums fließen.

Hollmann sowie die Chefärzte Schmidbauer und Trautnitz lobten neben dem eigenen Personal auch den Landrat und die Kreisräte für ihre Bereitschaft, die kreiseigene Klinik weiter zu finanzieren und auszustatten. Die vor einigen Jahren getroffene Entscheidung, in Diagnostik und Therapie Schwerpunkte zu bilden, erweise sich als richtig, der Bereich Bauch und Verdauungsorgane verzeichne mittlerweile die höchsten Fallzahlen aller Sparten, sagte der Chefchirurg Schmidbauer, der selbst Bauchspezialist ist und die gute Zusammenarbeit mit den Internisten und speziell mit den Gastroenterologen hervorhob.

Der Landrat gab das Lob für die Investition des Landkreises an die Kreisräte weiter, die die Mittel genehmigt haben. Beschlüsse über solche Millionensummen seien keine leichten Entscheidungen, sagte Niedermaier - zumal in einem Umfeld, in dem Wohl und Wehe auch der kommunalen Krankenhäuser von unsteten politischen Rahmenbedingungen abhänge.

© SZ vom 16.05.2014
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