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Wolfratshausen:Fake-Söder am Marienplatz

(Foto: Hartmut Pöstges)

Fridays for Future demonstrieren gegen Umweltgesetz

Der bayerische Ministerpräsident in Wolfratshausen? Mitten auf dem Marienplatz? An einem unscheinbaren Dienstagnachmittag? Und dann umarmt er auch noch Bäume, wäscht weiße T-Shirts grün und singt dabei "grün, grün, grün sind alle meine Kleider"? Nun, dass da etwas nicht stimmen konnte, war wohl jedem der Passanten klar, die beim Spaziergang durch die Altstadt der Rede des falschen Söders gelauscht haben. Die Wolfratshauser Fridays for Future-Gruppierung hatte zusammen Parents for Future und Grandparents for Future vielmehr einen kreativen Zugang zu einem ernsten Thema gewählt, denn unter der Söder-Maske versteckte sich einer der elterlichen Aktivisten - mit aufrüttelnden Worten zum Klimaschutzgesetz, das der bayerische Landtag am Donnerstag verabschieden will. "Wir haben ein Klimaschutzgesetz vorgestellt, in dem der Klimaschutz nicht einklagbar ist", sagte der Mann in seiner Rolle als Söder. Die Expertenmeinungen hätte man im Parlament zwar angehört, allerdings erst nachdem das Gesetz bereits vorgestellt worden war, so eine der Protestnoten. Und überhaupt: "Es geht nicht um Gerechtigkeit, sondern ums Recht haben", so die Kritik an der Landesregierung. Die Fridays for Future- Gruppierungen protestierten mit einer persiflierenden Herangehensweise und nicht mit monotonen Sprüchen gegen das Klimaschutzgesetz, über das sich im Landtag auch schon die Fraktionen von SPD und Grünen entrüstet gezeigt hatten. Dank des Fake-Söder-Auftritts dürfte die Kritik am Gesetzesentwurf nun auch den Wolfratshausern bekannt sein.

© SZ vom 11.11.2020 / FHAS

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