Wolfratshausen:Ein Stück Stadtgeschichte bewahren

CSU und SPD bringen Bewegung in die festgefahrene Diskussion über zwei historische Gebäude in Waldram .

Bernhard Lohr

Eine Mehrheit der Wolfratshauser Stadträte spricht sich mittlerweile offen für den Erhalt der beiden historischen Gebäude am Waldramer Kolpingplatz aus. Zurückhaltung übt weiterhin Bürgermeister Helmut Forster (Bürgervereinigung). Er sagte auf Anfrage, dass die Entscheidung über einen Abriss des Ensembles alleine beim Erzbistum als Eigentümer liege. Die CSU sähe dort gerne ein Dokumentationszentrum, das an das ehemalige Lager Föhrenwald erinnert. Die SPD kann sich dort das Stadtarchiv vorstellen.

Bis vor einigen Monaten interessierte sich öffentlich kaum jemand für die Zukunft der Gebäude am Kolpingplatz. Es schien besiegelt, dass die Überreste des Lagers für Displaced Persons (DP), von dem aus vor allem viele Juden nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs in ihr neues Leben aufbrachen, abgerissen werden. Der Stadtrat beschloss im September, einen Bebauungsplan aufzustellen, der vorsah, dass diese für Neubauten weichen sollten. Doch das Bild hat sich nach der Intervention des Historischen Vereins, aber auch der Siedlergemeinschaft und der DJK Waldram, gewandelt.

Viele wollen jetzt das Gesicht des Ortsteils gewahrt sehen. Peter Plößl (CSU) sprach am Montag von einem "wichtigen Anliegen": "Es geht darum, ein Stück Geschichte zu bewahren." Es seien in Wolfratshausen schon zu viele Häuser "der Spitzhacke zum Opfer gefallen". Renato Wittstadt (SPD) zeigte sich beeindruckt von der breiten Front derer, die sich für das Waldramer Zentrum einsetzen. "Wir wollen Politik für die Bürger machen, nicht gegen die Bürger." Der Abriss müsse schnell ausgeschlossen werden. Es dürfe nichts geschehen, was "unwiderruflich" wäre.

Das Erzbistum besteht nicht mehr auf einen Abriss. Eine Option, die sich der CSU-Vorsitzende Manfred Fleischer vorstellen kann, wäre, die Häuser zu erhalten, ohne das Baurecht auf dem Gesamtareal zu schmälern. Es liege ein Bebauungsvorschlag vor, bei dem die Altbauten nicht im Weg stünden. Fleischer sagte, am Ende käme man damit dem Erzbistum entgegen. "Wenn Gebäude abgebrochen werden, entstehen auch wieder Kosten für den Eigentümer." Wichtig sei, Zeit zu gewinnen, um über eine Nutzung der Gebäude nachdenken zu können. Vorstellbar wäre, diese einem Verein zu überlassen, um etwa ein Dokumentationszentrum zu betreiben. Wittstadt sagte vor dem Hintergrund der Kritik am Standort des Stadtarchivs am Loisachufer, dass geprüft werden solle, ob dieses in den Gebäuden in Waldram unterkommen könne. Fleischer sagte, die Debatte über das Stadtarchiv werde so oder so mit Sicherheit erneut geführt.

Bürgermeister Forster schloss am Montag allerdings aus baulichen Gründen einen Einzug des Stadtarchivs praktisch aus. Josef Praller (Bürgervereinigung) setzt jetzt auf Gespräche aller Beteiligten. Der "Runde Tisch" sei der richtige Weg, um Änderungen im Bebauungsplan noch einzubringen. Forster hält allerdings nichts davon, in das Gespräch am 5. April im Rathaus mit Forderungen reinzugehen. Es handle sich um Gebäude der Kirche, sagte er. Sollten diese erhalten bleiben, "hätten wir kein Problem". Aber: "Das entscheidet ausschließlich der Eigentümer." (Kommentar)

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB