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Wolfratshausen:Ein Haus am Ufer

Bauausschuss und Stadtrat entscheiden, welcher Architekten-Entwurf für das neue Wolfratshauser Stadtarchiv im kommenden Jahr realisiert werden soll

Noch ist das Wolfratshauser Stadtarchiv ein einfaches Haus, 2014 soll daraus ein städtebauliches Kleinod werden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Wolfratshauser Stadträte entscheiden in dieser Woche in ihrem Bauausschuss und in der kommende Woche im Plenum über die Gestaltung des neuen Stadtarchivs am Loisachufer. Zur Wahl stehen die vier Siegerentwürfe des Architektenwettbewerbs, auf die sich eine Jury aus Fachleuten und Stadträten vor drei Wochen geeinigt hat. Die Stadt hat sich mit dem Wettbewerb verpflichtet, einen der prämierten Vorschläge zu bauen.

Nachdem die Jury aus 18 eingereichten Entwürfen vier prämiert und ihre Arbeit damit getan hat, liegt die letzte Entscheidung über den tatsächlich zu bauenden Entwurf beim Stadtrat, dem der Bauausschuss an diesem Mittwoch eine Empfehlung ausspricht. Beide Gremien behandeln das Thema nach Rathaus-Angaben in nicht öffentlicher Sitzung, wie es für Auftragsvergaben nicht nur in Wolfratshausen gängige Praxis ist. Betriebsgeheimnisse von Bietern gibt es in diesem Fall allerdings nicht zu wahren, denn alle vier Entwürfe waren Teil der Ausstellung zum Architektenwettbewerb, die in der dritten Oktoberwoche im Rathaus zu sehen war.

Auch eine genauere Kostenkalkulation gibt es noch nicht. Als Höchstmarke für die reinen Baukosten war in der Ausschreibung des Wettbewerbs ein Nettobetrag von einer Million Euro genannt, der Gesamtbetrag inklusive Steuern und allen Nebenkosten soll sich im Rahmen der 1,4 Millionen Euro halten, die die Räte bereits im Haushaltsplan vorgesehen haben.

Diese Beträge hat das städtische Bauamt nach eigenen Angaben auf Basis der erwarteten Kubatur geschätzt, also des umbauten Raums, den das neue Gebäude einnehmen darf und soll. Dieser wiederum ergibt sich aus den verschiedenen Lager-, Aufenthalts- und Ausstellungsräumen, die in dem Neubau Platz finden sollen. Die vier Entwürfe, die dafür nun zur Debatte stehen, haben nach der einschlägigen Vergabeverordnung erst den Status eines "Vorentwurfs", sind also noch nicht mit detaillierten Kostenschätzungen versehen.

Im ohnehin weithegend vorgegebenen Raumprogramm unterscheiden sie sich zwar kaum, dafür gibt es große Unterschiede in der Gestaltung und bei den verwendeten Baumaterialien. Um den Stadträten diese Unterschiede und die Gedanken des Preisgerichts zu vermitteln, will die Stadtverwaltung zu einer oder beiden Sitzungen den Münchner Architekten und Stadtplaner Bernhard Landbrecht hinzuziehen, den die Jury des Wettbewerbs zu ihrem Vorsitzenden bestimmt hatte.

Aus den Reihen der Stadträte gehörten der Jury Bürgermeister Helmut Forster und Josef Praller (BVW), Richard Kugler (CSU), Fritz Schnaller (SPD) sowie als Stellvertreterin die Grüne Annette Heinloth an, die nun in ihren Fraktionen ihre Entscheidung erläutern und die prämierten Entwürfe vorstellen sollen. Dass keines der vier Modelle auf grundsätzlichen Widerstand des Landratsamts als Genehmigungsbehörde stößt, sieht die Stadt schon dadurch gewährleistet, dass Kreisbaumeisterin Karin Volk ebenfalls Mitglied der Jury war. Das wegen der sensiblen Lage und der Hochwassergefahr an der Loisach wichtige Wasserwirtschaftsamt Weilheim war in den Wettbewerb ebenfalls eingebunden, auch wenn die Behörde trotz städtischer Einladung keinen Vertreter zu den Beratungen der Jury entsandt hat.

Ob den ersten Spatenstich für das neue Stadtarchiv noch der amtierenden Bürgermeister Forster oder schon sein im kommenden März zu wählender Nachfolger ausführen wird, ist nach Angaben von Bauamtsleiter Dieter Lejko noch offen. Einen Baubeginn schon im Frühjahr nennt Lejko allerdings "schon sehr sportlich", da sich die am Ende ausgewählten Architekten erst nach der Entscheidung der Stadträte an die nötige Verfeinerung ihrer Pläne machen können. Die Fertigstellung ist ganz unabhängig vom gewählten Entwurf demnach frühestens für das Jahr 2015 zu erwarten.