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Wirtschaft in Wolfratshausen:"Handg'macht" gibt auf

Die Wolfratshauser Werkstattgalerie am Untermarkt wird nicht wieder öffnen. Ein Neuanfang woanders ist aber im kommenden Jahr denkbar

Die Wolfratshauser Altstadt ist um eine Attraktion ärmer geworden: Die Werkstattgalerie "Handg'macht" in der ehemaligen Sparkassenfiliale am Untermarkt 1 wird trotz der mittlerweile gelockerten Corona-Maßnahmen nicht mehr öffnen. Die drei Betreiberinnen Martina Gaydol, Petra Bauer-Wolfram und Cornelia Rebhan haben ihren Mietvertrag zum 1. Mai gekündigt. Man habe sich nach wochenlanger zwangsweiser Schließung entschieden, das Mietverhältnis vorzeitig zu beenden, erklärt Gaydol auf Anfrage - auch, weil längerfristig eine beträchtliche Mieterhöhung zu erwarten sei, die sie und die anderen Kunsthandwerkerinnen nicht stemmen könnten.

Der Laden, in dem Kunsthandwerker aus der Region ihre Waren aus Papier, Textil, Holz und Leder sowie verschiedene Workshops angeboten haben, ist aus einem kurzfristigen Pop-up-Store entstanden. Der hatte nach Schließung der Sparkasse zwischen November und Dezember 2018 vier Wochen lang dort residiert und war so erfolgreich, dass sich die Holzhauser Fotografin Bauer-Wolfram, die Geretsrieder Papierhandwerkerin Gaydoul und die Wolfratshauser Lederwarenproduzentin Rebhan entschlossen, dort längerfristig eine Werkstattgalerie nach dem Pop-up-Konzept einzurichten. Anfang April vergangenen Jahres eröffneten sie das "Handg'macht", in dem zeitweise mehr als 40 verschiedene Kunsthandwerker ihre Waren anboten. Es gab unter anderem Skulpturen, Bilder, Kleidung, Taschen und Brotzeitbretter, aber auch regionale Lama-Wolle zu kaufen. Ermöglicht wurde der besondere Laden, weil die Kreissparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, die noch bis Ende September Mieterin der Räumlichkeiten ist, diese den Betreiberinnen zu günstigen Konditionen untervermietet hat. Man sei froh, "dass die Räume in bester Lage nicht leer stehen und mit einer guten Idee belebt werden", hatte Christian Spindler vom Vorstand der Sparkasse bei der Eröffnung erklärt. Eigentümerin des Gebäudes ist die Klosterstiftung Schäftlarn.

Bei der Eröffnung der Werkstattgalerie "Handg'macht" noch frohgemut (von links): Petra Bauer-Wolfram, Martina Gaydoul und Cornelia Rebhan

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wie alle Läden, deren Angebot nicht in die Grundversorgung fällt, musste auch "Handg'macht" wegen der Corona-Pandemie Mitte März schließen. Noch während der wochenlangen Zwangspause entschieden die Betreiberinnen, den Vertrag mit der Sparkasse, der offiziell noch bis 30. Juni gelaufen wäre, vorzeitig zu beenden. Um die Perspektiven zu ermitteln, habe sie beim Kloster angefragt, wie es weitergehen könne, erklärt Gaydol. Dieses habe in einer E-Mail ein Angebot gemacht. "Der Betrag, der genannt wurde, war fast dreimal so hoch wie die Miete, die wir gezahlt haben", sagt Gaydol. "Das können wir uns nicht leisten." Die zuständige Mitarbeiterin der Klosterstiftung erklärt dazu auf Anfrage nur, dass die Räume an die Sparkasse vermietet seien und der Vertrag erst im Laufe des Jahres ende. Angaben zu einer Nachnutzung oder anderen Interessenten könne man nicht machen. "Es war von unserer Seite ein sehr, sehr fairer Mietzins mit kurzen Kündigungsfristen", sagt dazu der Sprecher der Kreissparkasse, Willi Streicher. Die Betreiberinnen hätten sich im Zuge der Corona-Krise entschieden, den Vertrag Ende April aufzulösen. Nun hätten sie noch den Mai über Zeit, den 120 Quadratmeter großen Laden auszuräumen. Das Mietverhältnis der Sparkasse ende am 30. September. Der SB-Bereich mit Geldautomaten solle jedoch schon Mitte des Jahres auf die gegenüberliegende Seite zum Rathaus verlegt werden.

"Wir hätten eigentlich gerne weitergemacht", sagt Gaydol. Schließlich sei die Resonanz gut und der Laden zuletzt, also vor der coronabedingten Schließung, "raus aus dem Minus" gewesen. "Wir hatten sogar ein kleines Plus." Die angekündigte deutlich Mieterhöhung aber sei nicht bezahlbar. Und auf ein niedrigeres Gegenangebot sei das Kloster nicht eingegangen.

Endgültig gestorben ist das Konzept ihres Werkstattladens damit aber für Gaydol und ihre Mitstreiterinnen noch nicht. Sie würden ihn gerne an einem anderen Standort eröffnen, "auf jeden Fall in Wolfratshausen", wie die Papierhandwerkerin sagt. Auch die meisten Aussteller seien bereit, wieder mitzumachen. Deshalb hat sie bereits bei Stadtmanager Stefan Werner angefragt, nach geeigneten Räumlichkeiten Ausschau zu halten. Der findet die Schließung "sehr bedauerlich", wie er sagt. Schließlich habe das Konzept der Werkstattgalerie "sehr gut in die Stadt Wolfratshausen gepasst", findet Werner. Er habe Gaydol und ihren Mitstreiterinnen angeboten, bei der Suche nach einem neuen Standort zu helfen und hoffe, dass es weitergehe.

Das Ladengeschäft namens Hand'gmacht, in dem Kunsthandwerker aus der Region ihre Waren aus Papier, Textil, Holz und Leder sowie verschiedene Workshops angeboten haben, ist aus einem kurzfristigen Pop-Up-Store entstanden. Nun steht er vor dem Aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eine Eröffnung komme aber frühestens im kommenden Jahr in Frage, sagt Gaydol. "Wir müssen jetzt erst einmal schauen, wie die Corona-Katastrophe weitergeht, auch wirtschaftlich." Schließlich hänge der Erfolg des Ladens auch davon ab, ob die Leute bereit seien, Geld auszugeben für Kunsthandwerk, das genau genommen ja Luxus sei. Viele Stammkunden aber hätten schon ihre Bedauern über die Schließung geäußert. "Wir vertrösten sie dann: vielleicht ja im nächsten Jahr."

© SZ vom 19.05.2020

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