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Wirtschaft im Landkreis:Kritik an Aus für VR-Bank-Filiale

Kochler Bürgermeister ärgert sich über Verlust zentraler Anlaufstelle

Auf die Schließungspläne der Volks- und Raiffeisenbank (VR) Werdenfels für die Kochler Filiale reagiert Bürgermeister Thomas Holz (CSU) verärgert. "Das ist ein herber Schlag für uns", sagte er am Montag. Die Bank mit dem Standort am Schmied-von-Kochel-Denkmal sei eine zentrale Anlaufstelle in der Kommune. Die Filiale habe Leben in den Ortskern gebracht. Für den Einzelhandel und die weiteren Geschäfte findet Holz es schade, dass die Zweigstelle nach Ende der Corona-Pandemie nicht wieder aufsperren wird. Derzeit sind wegen der Virusinfektion alle Filialen der VR-Bank Werdenfels geschlossen.

Deren Vorstand hatte er erst vergangene Woche angekündigt, sechs der bislang 18 Geschäftsstellen aufzugeben. In Kochel am See soll es künftig nur noch einen Geldautomaten geben. Die Mitarbeiter sollen in andere Filialen wechseln. In den Entscheidungsprozess sei er nicht eingebunden worden, schildert der Kochler Bürgermeister. Er habe zwar Ideen vorgebracht, um den Standort womöglich erhalten zu können. "Meine Bitte war, kreativ nachzudenken", sagt er. Doch an den Schließungspläne sei seinem Eindruck nach nicht mehr zu rütteln gewesen. "Es ist schwer dagegenzuhalten."

In Kochel am See bleibt damit nur noch die Sparkasse mit einer Geschäftsstelle bestehen. Vor sechs Jahren hatte bereits die Hypovereinsbank ihre Filiale in der Kommune geschlossen. Zur nächsten Geschäftsstelle der VR-Bank Werdenfels müssen die Kochler künftig knapp sieben Kilometer bis nach Benediktbeuern fahren.

Von einem "harten, aber richtigen" Schritt spricht Walter Beller. Für den Vorstandsvorsitzenden der VR-Bank Werdenfels ist die Entscheidung "schmerzhaft". Doch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erschwere das Marktumfeld ohnehin. Jetzt verschärfe die Corona-Pandemie die Situation weiter, sagt Beller. Daher habe die VR-Bank Werdenfels sich entschieden, an den sechs Filialen den Schalterbetrieb aufzugeben, die nach einer Analyse die geringste Kundenfrequenz haben. Darunter fällt auch die Zweigstelle im benachbarten Großweil (Landkreis Weilheim-Schongau).

"Die wirtschaftlichen Zwänge lassen uns keine andere Wahl", begründet Beller den jetzigen Schritt. Die VR-Bank Werdenfels bleibe aber in der Region verwurzelt. In den vergangenen Jahren habe das Geldinstitut investiert, vor allem auch das digitale Angebot für die Kunden ausgebaut.

Ebenso kündigt die VR-Bank Werdenfels in einer Pressemitteilung an, mehr Mitarbeiter im Telefon-Service für Kundengeschäfte bereitzustellen. Die höchsten Zuwachsraten im Online-Banking gebe es in der Altersgruppe ab 60 Jahren, so heißt es. Trotzdem sieht der Kochler Bürgermeister Holz die Schließung der Filiale in seiner Kommune vor allem für die ältere Bevölkerung problematisch. Er frage sich, ob alle so digitalaffin seien, dass sie ihre Bankgeschäfte nur noch über das Handy oder am Computer erledigten, sagt er. Holz kündigt an, sich um so mehr für den Verbleib der noch in Kochel verbliebenen Sparkassen-Filiale einzusetzen.

© SZ vom 26.05.2020

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