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Weil das Geschäft boomt:Pizzafirma will Gaststätten helfen

Bei Franco Fresco in Geretsried sind derzeit rund 280 Leute angestellt. Es wäre aber Arbeit für noch ein paar mehr da.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Franco Fresco bietet Übernahme von Personal an

Von Lea Gittermann, Geretsried

Die Ausgangsbeschränkungen in Bayern sollen zum Beginn nächster Woche wieder langsam gelockert werden. Dann dürfen auch die meisten Geschäfte wieder aufmachen. Die Restaurants und Wirtshäuser jedoch bleiben in der Corona-Krise für Gäste weiterhin geschlossen. Liefern lassen und abholen - das sind die Möglichkeiten, die viele Lokale anbieten. Bis das normale Geschäft aber wieder läuft: "Da müssen wir noch ein bisschen warten", hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dazu kürzlich in einem Radiointerview gesagt.

Die Köche und Bedienungen haben also auch in den nächsten Wochen noch nicht besonders viel zu tun. Ganz anders offenbar als die Pizzabäcker des Geretsrieder Tiefkühlunternehmens Franco Fresco, einer der größten Hersteller von Tiefkühlpizza in ganz Deutschland. Rund 280 Mitarbeiter sorgen in der Fertigungshalle an der Böhmerwaldstraße dafür, dass jeden Tag um die 100 000 Pizzen der Marke "Gustavo Gusto" vom Band laufen. Und theoretisch könnten es noch viel mehr sein, teilt das Unternehmen mit. Denn egal, ob Margherita, Prosciutto oder Tonno - die Geretsrieder Tiefkühlware boomt.

Anders als in den Gaststätten kann bei Franco Fresco der Betrieb unter verschärften Hygienebedingungen wie gewohnt weiterlaufen. Für das Unternehmen ist das ein Glücksfall. Denn während der Corona-Krise und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen ist die Nachfrage nach den Tiefkühlpizzen noch einmal angestiegen. Per Aufruf in den sozialen Medien hat Franco Fresco den Wirten in der Region deshalb kürzlich angeboten, übergangsweise ihr Personal zu übernehmen. Denn bevor sich die Kellner nur die Beine in den Bauch stehen, warum sollen sie nicht beim Pizzabacken mithelfen, wenn sie das wollen.

Der Pizzahersteller hatte gehofft, durch diese Aktion ein paar neue Mitarbeiter gewinnen zu können - zumindest so lange, bis die Corona-Krise überwunden ist und in der Gastronomie wieder Leben einkehren kann. Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind in der Region schließlich 3100 Menschen im Gastgewerbe beschäftigt. Viele davon können ihrem Job derzeit nicht nachgehen. Vor allem die Kellner, Köche und Hotelangestellten im Landkreis haben derzeit mit starken Lohneinbußen zu kämpfen. Die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) fordert deshalb auch, das staatliche Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent aufzustocken. Die Rahmenbedingungen für eine schnelle Personalakquise sollte also gegeben sein, so würde man denken. Tatsächlich haben sich auf den Aufruf von Franco Fresco hin aber nur wenige Leute gemeldet. Gerechnet habe man, so heißt es aus dem Unternehmen, mit einer zweistelligen Bewerberzahl. Gemeldet hätten sich letztlich aber nur eine Handvoll Kandidaten.

Das Pizzaunternehmen versucht nun auf andere Weise, auf sich aufmerksam zu machen. Im Rahmen der Dankestour "Giro di Grazie" fährt das Unternehmen mit einem Pizzamobil durch die Region und verteilt warme Mittagessen an Corona-Helfer. So durften sich kürzlich etwa auch die Ärzte und das Pflegepersonal am Kreisklinikum Wolfratshausen über eine kleine Aufmerksamkeit freuen.

© SZ vom 22.04.2020
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