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Wahlstummfilm:Grüner Tauchgang

Der Münsinger Ortsverband stellt sein Wahlprogramm vor

Von Benjamin Engel, Münsing

Für den Wahlslogan "Die Münsinger Grünen tauchen auf" sind vier Protagonisten der Partei erst einmal untergetaucht. Bei weniger als sechs Grad Wassertemperatur stiegen Matthias Richter-Turtur, Mechthild Felsch, Valentin Huber-Saffer und Anja Ruhdorfer in den Starnberger See, verschwanden darin und kamen wieder hoch. Damit will der neu gegründete Ortsverband auf sich aufmerksam machen. Das Schwarz-Weiß-Video in der Ästhetik eines Stummfilm-Slapsticks steht auf der Homepage.

Auftauchen will die Partei nach der Kommunalwahl auch mit möglichst vielen Kandidaten im Gemeinderat. Dafür haben die Münsinger Grünen ihr Programm mit den Schwerpunkten "nachhaltig - gerecht - vielfältig" unterschrieben.

Spitzenkandidatin und Gemeinderätin (bisher Wählergruppe Münsing) Christine Mair ist Bio-Bäuerin und beschäftigt sich vor allem mit Artenvielfalt und Klimawandel. Gerade weil es immer heißer und niederschlagsreicher werde, sollte möglichst wenig Boden versiegelt werden, sagt sie. Die Kommune müsse innerorts mehr darauf achten, Grünflächen zu schaffen und insbesondere Bäume anzupflanzen. "Auf Nebengebäuden sollten Grünflächen selbstverständlich sein." Aus Sicht der bisherigen Umweltreferentin ist die Kommune gefordert, auf eigenen Grundstücken Blühwiesen anzulegen. Denn nur so fänden Insekten genügend Nahrung. Mit dem Beispiel eines erfahrenen Münsinger Imkers unterstreicht Mair diese Forderung. Der Bienenzüchter habe statt 30 bis 40 nur noch zehn Völker und müsse auch noch zufüttern, weil die Tiere nicht genug Nahrung finden.

Münsing ist zwar Pilotgemeinde der Bürgerstiftung Energiewende Oberland. Auf kommunalen Gebäuden gibt es bereits Photovoltaikanlagen. "Auf dem Weg zu einer energieautarken Gemeinde müssen wir aber alles ausschöpfen, was möglich ist", betont Mair. Das umfasse die Bauberatung durch die Verwaltung bis hin zu Energiespeichern und möglichen Photovoltaikanlagen auf Dächern und freien Flächen. Die Kommune müsse mit gutem Beispiel vorangehen und prüfen, was in ihren Immobilien noch alles möglich sei. Mit Klaus Strobl, Ingenieur für Energie- und Gebäudetechnik (Listenplatz 6), und Anja Ruhdorfer, Projektentwicklerin für Freiflächen-Photovoltaik (Listenplatz 3), hätten die Grünen für diese Themen Experten.

Beispielhaft verweist Mair auf das neu geplante Bürgerhaus. Auf dem Dach könnte sich die Umweltreferentin Solarzellen zur Eigenstromversorgung vorstellen. Die Außenanlagen sollten möglichst stark begrünt und wenig versiegelt werden. Gleichzeitig ärgert sich Mair, dass sie so lange um ausreichend Fahrradstellplätze kämpfen musste. "Jetzt sollen sie kommen, aber nicht überdacht", klagt die 54-Jährige. "Mir ist zu wenig Kreativität da."

Aus Münsing wollen die örtlichen Grünen eine "fußgänger- und fahrradfreundliche Kommune" machen. Dafür fordern sie Stellplätze und E-Ladestationen. Es brauche mehr barrierefreie Fußwege sowie Querungshilfen oder Verkehrsinseln etwa über die Münsinger Hauptstraße. Auch auf dieser Verkehrsachse sei Tempo 30 angezeigt, was die übergeordneten Behörden bisher abgelehnt haben. Verschweigen will Mair aber nicht, dass die Gemeinde die Verkehrssituation in Münsing im Rahmen des interkommunalen Entwicklungskonzepts (ISEK) überprüfen lässt.

Für die Münsinger wollen die Grünen auch außerhalb der Wahlkampfzeiten präsent sein. Der alle vier Wochen organisierte Stammtisch soll beibehalten werden. Dort könnten die Bürger ihre Ideen einbringen, vom möglichen öffentlichen Trinkwasserbrunnen am Dorfplatz bis zu vielen kleinen Angelegenheiten. "Wir wollen ein frischer, bürgernaher, offener Ortsverband sein", sagt Mair.

© SZ vom 18.02.2020

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