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Wackersberg:Elf mal Elfe

Ludwig Müller - Dichterverkehr

Schon der Titel seines Programms - "Dichter Verkehr" - ist ein Wortspiel: Kabarettist Ludwig Müller beim Kramerwirt in Arzbach.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ludwig Müller spielt mit Wort und Reim

Ein Vorstellungsgespräch ist eine heikle Angelegenheit, vor allem dann, wenn das Thema Fremdsprachenkenntnis aufkommt. Für das Alter Ego des Kabarettisten Ludwig Müller jedoch nicht. Er umschifft dieses Dilemma kindlich geschickt und setzt kurzum die märchenhaften Elfen mit dem englischen Zahlenwort eleven und dem spanischen once gleich. Auch Müllers Schüttelreime können die Personalchefin des Radiosenders überzeugen und ebenso die 30 Gäste im Kramerwirt in Arzbach am vergangenen Donnerstagabend.

In Müllers neuem Programm, das den doppeldeutigen Titel "Dichter Verkehr" trägt, thematisiert der Kabarettist die Altersabsicherung für Selbstständige. Ein Mann mittleren Alters, der seinen Beruf als Werbetexter bei einem großen Pharmakonzern verliert und sich erneut um eine Stelle bewirbt, ist Protagonist. Dabei landet Müllers Erzählfigur letzten Endes bei einem Radiosender in Wien, wo er eine Anstellung auf 400-Euro-Basis erhält.

Zu Beginn muss Müllers Kunstfigur aber bei der Arbeitsagentur vorstellig werden. Der zuständige Sachbearbeiter rät ihm, sich selbständig zu machen - nur dann sei er noch vermittelbar. Ein Erfolgsseminar bei Hansi, dessen Weisheiten, wie "mit dem steifen Schwanz kannst du nicht wedeln" (Begeisterung im Publikum) auch schon Prominente wie Peter Maffei begeistert hätten, soll ihm bei seiner Selbstfindung helfen.

Müller schlüpft in seiner beruflichen Findungsphase in verschiedene Rollen. Er überzeugt vor allem mit seiner Wort- und Stimmakrobatik. Sowohl den tiefen bayerischen als auch den hohen österreichischen Dialekt beherrscht der gebürtige Tiroler perfekt. Er parodiert auch die Völkerfreundschaft zwischen beiden Ländern, wie etwa die Zusammenarbeit an der Grenze bei der Bahn. Während Österreicher die Verspätung von Zügen aus Deutschland charmant auf das "Ausland" schieben, sagen die Deutschen sehr direkt, es liege an den Österreichern.

Vor allem beeindruckt Müller aber durch seine Schüttelreime, die er als Teil seiner Geschichte oder nebenher präsentiert: "Kann man nicht einfach aus Stammzellen mich neu zamstellen?" oder "Man sollte sich bei der Amputation von Einbeinigen auf ein Bein einigen."

Eher versteckt übt Müller Gesellschaftskritik, gern auch mal in Reimform. So lässt er den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán an die Flüchtlinge an der Grenze appellieren: "Lasst euch alle taufen halt, dann kriegt ihr auch Aufenthalt."