Untersuchung der Stiftungshochschule München Syrer, Iraker, Tölzer

Die Ergebnisse der Studie über junge Migranten erklärten Vincent Rickerl und Elisabeth Zweckstetter. Rechts: Professor Egon Endres.

(Foto: Manfred Neubauer)

Flüchtlinge wünschen sich mehr Kontakt zu Einheimischen - das hat eine Studie an den Oberschulen in Bad Tölz ergeben

Von Klaus Schieder, Benediktbeuern

Junge Flüchtlinge hätten gerne mehr Kontakt zur einheimischen Bevölkerung. Viele von ihnen wünschen sich deshalb auch, mehr Deutschunterricht zu bekommen. Die Schule ist für sie der wichtigste Aufenthaltsort, wo sie jedoch meist nur andere Asylsuchende treffen. Dies sind die Ergebnisse der Studie "Ankommen in Bad Tölz - Netzwerke zur Integration von jungen Menschen mit Fluchterfahrungen", die Studierende der Katholischen Stiftungshochschule München am Campus Benediktbeuern erstellt haben. Dafür interviewten sie 27 Migranten, die in die Fach- und Berufsoberschule (FOS/BOS) in Tölz gehen, sowie zwölf Lehrkräfte und Sozialarbeiter.

Mit der Projektarbeit habe man herausfinden wollen, "wie Integration für Menschen mit Fluchterfahrung in Bad Tölz funktioniert", sagte Moderatorin Elisabeth Zweckstetter bei der Präsentation im Kloster Benediktbeuern. Ihr Studienkollege Vincent Rickerl erläuterte die Vorgehensweise: Vier Teams führten jeweils leitfadengestützte Interviews mit Migranten, die aus Syrien, Nigeria, Afghanistan, Irak, Somalia oder Sierra Leone stammen. Dabei ging es um persönliche Kontakte, den Beruf, das Freizeitleben. Bei den Fachkräften drehte sich alles um Netzwerke zur Unterstützung bei der Arbeit mit Flüchtlingen.

Klar ist, dass die Migranten an der FOS/BOS meist Umgang mit anderen Asylbewerbern haben. Und zwar an der Schule selbst, die deshalb für sie auch so wichtig ist. Ein Problem: Außerhalb der Schulzeiten haben sie es schwer, Kontakte zu pflegen, da sie verstreut im Landkreis leben und Busse eher sporadisch fahren. In der Freizeit stehen sportliche Aktivitäten hoch im Kurs, vor allem Fußball. Ebenso Lesen, Surfen im Internet, der Gang zur Kirche. Einige Befragte gaben an, dass es hierzulande leichter sei, Kontakte zu knüpfen, als in ihrer Heimat. "Eine Afghanin hat gesagt, dass das kulturell bedingt ist", erzählte Student Christoph Driendl. In ihrem Land habe sie nicht so einfach aus dem Haus gehen können. Umso mehr wünschen sich die meisten Migranten, mehr Sprachunterricht zu bekommen, um sich besser zu integrieren. Die Befragten erlernen an der FOS/BOS in der Regel einen klassischen Ausbildungsberuf, etwa als Friseur, Bäcker, Altenpfleger, Elektriker. Viele streben den Meistertitel und später die berufliche Selbständigkeit an. Kaufmännische oder administrative Berufe kommen für sie mangels ausreichender Deutschkenntnisse kaum in Frage.

Lehrkräfte und Sozialarbeiter erklärten, dass sie bei der Arbeit mit Migranten ins kalte Wasser geworfen wurden. Sie empfanden es aber als positiv, dass sie in den Flüchtlingsklassen freier und etwas abseits vom Lehrplan arbeiten konnten. Sie hätten gerne ein Nachschlagewerk mit Ansprechpartner in der Flüchtlingsarbeit, eine Art Broker zu besseren Vernetzung oder auch angepasste Anforderungen, etwa in den Prüfungsaufgaben der Innungen, die für Migranten zu verschachtelt formuliert seien. Für Christiane Niggl von der Kolping-Bildungsagentur liegt vor Flüchtlingen und Einheimischen noch ein weiter Weg bis zur Integration. Beide Seiten müssten mehr aufeinander zugehen. "Wir müssen Begegnung organisieren, sonst läuft nichts", sagte Peter Fick, Fachbereichsleiter an der Tölzer Berufsschule. Professor Egon Endres lobt die FOS/BOS für ihr Vertrauen: "Es ist nicht selbstverständlich, dass man in der Schule Interviews führen und die Ergebnisse in der Öffentlichkeit vorstellen darf."