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Unterm Apfelbaum in Icking:Herrlich vermurkst

Abstruses unterm Apfelbaum: Peter Spielbauer begeisterte sein Publikum mit seinem philosophisch-komischen Wortspielen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Peter Spielbauer feiert in Irschenhausen mit Freunden sein Bühnenjubiläum vor Publikum

Es ist voll in Barbara Reimolds Apfelbaumgarten. An die 200 Menschen sind gekommen, um ihn zu sehen, den Philo-Dada-König Peter Spielbauer im "Best of, Teil 2", Spielbauers speziellem Spezialabend mit spezifischen Gästen. "Schon ähnlich wie Teil 1, aber anders." Schauspielerin Belle Schupp, Weggefährtin von Peter Spielbauer, erklärt einer Freundin zu Beginn des Abends, was zu erwarten ist. Spielbauer feiert bei der Theatergesellschaft unterm Apfelbaum in Irschenhausen sein 40-jähriges Bühnenjubiläum und hat dazu Künstlerfreunde eingeladen, die ihn sein Leben lang begleitet haben. Wer kommt oder nicht kommt, scheint ungewiss. Die Regentschaft hat der urkomische Georg Schweitzer übernommen und dirigiert im knallroten Anzug mit Blumenhut die zahlreichen Gäste ins Doppelzelt.

Schweitzer moderiert, kalauert und plaudert, sein Markenzeichen: "no schorsch - no fun!" Der Comedian lässt Worte einfach purzeln, ganz spontan, pointiert und maßvoll respektlos. Der geliebte Freund alias absolute "Knalltüte", den Spielbauer einst auf seine Bühne eingeladen und der ihm dann die Show gestohlen hat, hat die Lacher auf seiner Seite. Er, in einer neuen maßgeschneiderten dicken gelben Hose stellt den Schorsch vor, einen "der nur improvisiert, weil er sonst nix gelernt hat", während er, der Peter schon überlegt, was er sagt, auch wenn es nicht so scheint. Schließlich hat er sein Pantomime-Examen bei Marcel Morceau gemacht mit dem Klassiker "Die Wand".

Die verzwurbelten Wörter dazu erfand er schon damals in seiner Kindheit im Bayerischen Wald, als das noch Zonenrandgebiet hieß, und wo sie sich später gewundert haben, dass er jetzt für seine Dada-Auftritte "a Göld dafür" will.

Die Jugend in den Sechzigern am Lagerfeuer beschwört Reinhard Schiel mit seinem Sopran-Saxofon und der Musik von Sri Sri Ravi Shankar, Begründer von "The art of living". Shankar, ein spiritueller Führer, Meditationslehrer, Menschenfreund und Anwalt für den Frieden, war für die Jungs ebenso prägend wie die Beatles auf ihrer spirituellen Suche in Indien. Das bringt den Spielbauer zu seiner Nummer "Auf der Suche nach Höherem", dem Sinn wahrscheinlich, und dem Finden des Höheren ganz woanders, der Bürste zum Beispiel, dem eigentlich wesentlichen "Bürstenlichen". Dass alles nur Bürste ist, entstammt einem klassischen Spielbauer-Programm, und die allermeisten Zuschauer wissen inzwischen, dass auch ein Auto nichts weiter ist als eine Hohlbürste mit Rollborsten.

Nach einem Ausflug in Spielbauers Quantenphysikwelt und die Heisenbergsche Unschärferelation, nimmt Schorsch das Tempo raus. Dafür pflückt er sich die Taschentuchpakete wieder vom Klebeband, das er sich vorher um den Kopf gewickelt hat.

Peters Freunde, Ulf Geer, Cellist und "Mensch gewordene Hilfsbereitschaft", und seine Frau Gerda, Geigerin, verschaffen dem Spielbauer und dem Publikum eine elegische Verschnaufpause mit Barockmusik von Henry Purcell. Der Jubilar sammelt inzwischen seine Kräfte für die legendäre Nummer mit der Bierbank, die seinen ungebremsten Drang nach Höherem beweist, aus Gesundheits- und Altersgründen allerdings nicht mehr ganz so dramatisch schwungvoll wie vor Jahren. Über aufeinandergestapelte Bänke und Tische treibt es ihn auf die Spitze, wo ihm dann Goethe einfällt, und die sich reibenden Kontinentalplatten, die Trump zerreiben mögen, damit einem mit Nietzsche nicht nur der Wunsch bleibt, das Chaos möge Sterne gebären.

Einem Ehepaar aus Frankfurt, das eben nach München gezogen ist, kommt dies alles spanisch vor, auch das Spiel mit ungeschriebenen Wörtern auf gelben Papieren, die als Flugzeuge vom Publikum auf die Bühne geworfen werden sollen. "Aber Humor ist halt überall etwas anders", meint der Mann aus Frankfurt lakonisch. Der herrliche Dadawörterteppich, den Annette Kolschewski und Bernhard Weitzel im Apfelbaumgarten dann über den Menschen ausbreiten, ist ihm ein weiteres Beispiel für einen speziellen Humor. Last but not least sind da die ganz wunderbaren Schweizer, einst Türöffner für Spielbauers Erfolge rund um Zürich: Ursus und Nadeschkin (Urs Wehrli und Nadja Sieger) sind ein sehr renommiertes clowneskes Kabarettduo. Die beiden, extra in Spielbauers Lieblingsfarbe Gelb gewandet, liefern bewundernswert komische wie sinnlos ernsthafte Dialoge über einen geplanten und dann total vermurksten Text ab, was unbeschreiblich witzig ist und das Publikum noch kurz vor Mitternacht hingerissen lauschen und herzhaft lachen lässt.

Riesengroßer Jubel nach vier Stunden "Häcktion" und der Zugabe um 0.15 Uhr! Der Spielbauer selbst? Das Glück dieses gemeinsamen Auftritts mit seinen Freunden steht ihm ins Gesicht geschrieben. Sollte er nächstes Jahr seinen 41. Bühnenspezialabend feiern, müssen alle seine großartigen speziellen Freunde auf jeden Fall wieder kommen.

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