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Umwelt in Eurasburg:Kritik an der Heckenpflege

Mit schwerem Gerät eine ökologisch wertvolle Hecke rasiert: Die Gemeinde Eurasburg steht in der Kritik.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Aus Sicht von Vertretern der Agenda 21 und Naturschützern hat die Gemeinde am Windbichl zu stark ausgelichtet

Von Benjamin Engel, Eurasburg

Pflanzenreiche Hecken und Feldraine sind selten geworden und damit wichtige Lebensräume einer artenreichen Natur. Umso erboster ist Wolfgang Neuerburg, dass die Kommune die Hecke am Feldweg über den Windbichl zwischen Haidach und Happerg aus seiner Sicht niedergemacht hat. "Die Hälfte ist weg und zwar bodengleich", sagt der Vorsitzende der Eurasburger Agenda 21. Die über mehrere hundert Meter verlaufende Hecke hätten Mitarbeiter des Bauhofs mit schwerem Gerät teils regelrecht rasiert. "Das kann man nicht machen", sagt er. Was die Gemeinde als Pflegemaßnahme rechtfertigt, ist für ihn ein verantwortungsloser Umgang mit der Natur. Die Hecke habe ihre ökologische Funktion verloren, ärgert er sich.

Besonders bitter ist für den Agenda-Vorsitzenden, dass die Gemeindeverwaltung über die Maßnahme nicht vorab informiert hat. Denn acht Agenda-Mitstreiter haben die Hecke vor 17 Jahren angelegt. 20 Fünftklässler halfen mit, die mehr als 400 Sträucher - darunter Wildrosen, Schlehen, Haselsträucher, Hartriegel und mehr - anzupflanzen. Zudem zählt das Heckengrundstück laut Neuerburg zum Ökokonto der Gemeinde Eurasburg.

Damit habe der damalige Agenda -Sprecher Walter Blendermann eine Art Sparbuch für die Kommune schaffen wollen, berichtet die Grünen-Gemeinderätin und Umweltbeauftragte Carola Belloni. Dessen Ziel sei, die Ökokonto-Flächen für Eingriffe in die Natur flora- und faunagerecht aufzuwerten. Gerade für Vögel wie den Neuntöter oder den Zaunkönig sei die Hecke ein wichtiges Brutareal. Das sei jetzt zerstört.

Der Bund Naturschutz behält sich eine Anzeige vor

Das Eurasburger Beispiel zeigt für Friedl Krönauer exemplarisch, wie unachtsam viele Kommune mit natürlichen Lebensräumen umgehen. Das Bewusstsein für deren Wert sei teils gestiegen, sagt der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN). Oft schienen sich aber Kommunen jahrelang um keine Pflegemaßnahmen zu kümmern. "Dann greift man zu grobem Werkzeug." So gehe es nicht. Gerade eine Kommune müsse beispielhaft vorangehen. Im Eurasburger Fall behalte sich der BN eine Anzeige vor.

Dass die Hecke lange nicht zurückgeschnitten worden sei, räumt Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl (GWV) ein. Klar sei aber, dass die Kommune eine Ökokonto-Fläche pflegen dürfe, sagt er. Das sei vor Beginn der Vogelbrutschutzzeit ab 1. März geschehen. Der Lichtraum habe freigeschnitten werden sollen, damit landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge wieder auf dem Weg hindurch kämen. "Wir werden prüfen, ob das fachlich richtig oder falsch war", verspricht Sappl. Keiner habe die Hecke kaputt machen wollen. Der innere Bereich zur Wiese hin sei stehen gelassen worden. Mit den Agenda-Vertretern kündigt Sappl ein Gespräch für Mitte dieser Woche an.

© SZ vom 17.02.2021
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