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Trinkwasser Wolfratshausen:Gesundheitsamt stellt Golfplatz infrage

Leiter Franz Hartmann spricht von einem Umweltskandal. Die Nutzung des Bergkramerhofs sei nicht mit der Lage im Wasserschutzgebiet vereinbar. Ein Zusammenhang mit den Keimen im Tiefbrunnen ist jedoch nicht bewiesen.

Unter dem mit Gras bewachsenen Gullideckel liegt auf dem Golfplatz Bergkramerhof der Revisionsschacht. Dass die Anlage im Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Wolfratshausen liegt, ist für Franz Hartmann ein "klarer Nutzungskonflikt".

(Foto: Hartmut Pöstges)

In der anhaltenden Debatte über das Wolfratshauser Trinkwasser stellt Gesundheitsamtsleiter Franz Hartmann die Existenzberechtigung des Golfplatzes Bergkramerhof in Frage. Ein solcher Golfplatz sei mit einem Wasserschutzgebiet nicht vereinbar, bekräftigte Hartmann am Dienstag. Dass sich die Kernzone des Wolfratshauser Schutzgebiets seit 2008 auch auf weite Teile des 1993 angelegten und 1999 erweiterten Golfplatzes erstreckt, will der Gesundheitsamtsleiter erst im April dieses Jahres erfahren haben.

Hartmann betrachtet es nach eigenen Worten als seine Dienstpflicht, den "klaren Nutzungskonflikt" zwischen Wasserschutzgebiet und dem Betrieb eines Golfplatzes aufzulösen. Der Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln, wie er auf Golfplätzen üblich sei, verbiete sich in einem Wasserschutzgebiet vollkommen. Dass es dort über Jahre hinweg einen erheblichen Eintrag von Abwässern gegeben habe, nennt Hartmann weiterhin "einen echten Umweltskandal".

Ab Abend zuvor hatte Golfplatzbetreiber Josef Hingerl ähnliche Äußerungen Hartmanns als rufschädigende Unterstellungen bezeichnet und scharf zurückgewiesen. Zugleich räumte Hingerl ein, dass zuletzt in alten Entwässerungsrohren, die vom früheren Gutshof knapp unter der Oberfläche zu einem offenen Graben im Bergwald führen, bei mehreren Proben Abwässer nachgewiesen wurden. Er und Clemens Osterwald-Danhuber von der Eigentümer-Familie des Anwesens versicherten, diesen Missstand nach Kräften zu beheben. Zugleich betonten sie abermals, dass die vor mehreren Woche in einem Tiefbrunnen festgestellte zwischenzeitliche Belastung des Wolfratshauser Trinkwassers mit coliformen Keimen nichts mit den Problemen am Bergkramerhof zu tun habe.

Wie zuvor Stadtwerke-Vorstand Jürgen Moritz stützte am Montag Eduard Eichenseher vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim diese Interpretation. Das Trinkwasser liege 70 Meter tief unter einer Schicht aus Moränenmaterial, die Schadstoffe ausfiltere. Bis Wasser in der Tiefe ankommt, vergehen Eichenseher zufolge sehr viel mehr als 50 Tage. Die aber gälten als maximaler Zeitraum, den die an der Oberfläche allgegenwärtigen coliformen Keime im Boden überleben können. Bei den Proben am Bergkramerhof hätten sich aber auch andere typische Merkmale von Abwasser gezeigt, wobei sich dieser Begriff aus amtlicher Sicht etwa auch versickerndes Regenwasser von Dächern und Höfen umfasst. In jeden Fall gelte es aber, den Quellen und Wegen dieses Abwassers nachzuspüren und jeden Eintrag ins Schutzgebiet in welcher Verdünnung auch immer abzustellen.

Letztgültig widerlegbar ist ein Zusammenhang dieses Abwassers mit den Keimen im Tiefbrunnen aber ebenso wenig, wie er beweisbar ist. Darin sind sich Eichenseher und Hartmann einig. Doch der Leiter des Gesundheitsamts zeigt sich inzwischen grundsätzlich alarmiert und vermisst für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln am Golfplatz Genehmigungen, die seiner Ansicht nach aber ohnehin unwirksam wären. Platzleiter Marko Dresp verweist dagegen auf Papiere vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Rosenheim. Von denen weiß Hartmann ebenso wenig wie vom der Ausweitung des Wasserschutzgebiets 2008. Die hat das Landratsamt verfügt, zum dem auch das Gesundheitsamt gehört.

© SZ vom 08.05.2013
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