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Marke Eigenbau:Der Häusleschrumpfer

Auch Vogts mobiles Haus ist Marke Eigenbau.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Gidon Vogt hat sich seinen Traum von der Freiheit mit einem "Tiny House" gebaut. Nun möchte der Kulissenbauer auch die Wohnträume anderer erfüllen und verkauft ein selbstgebautes kleines Domizil auf Rollen

Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper. Potenzielle Käufer sehen sich mit horrenden Preisen für Gebäude und Grundstücke konfrontiert. Immer mehr Menschen sind deshalb auf der Suche nach Alternativen. Der Eglinger Gidon Vogt bietet eine solche an. Der Kulissenbauer fertigt kleine Wohnmöglichkeiten auf Rollen an. Die Rede ist dabei nicht von einem Campinganhänger oder einem Campingwagen, sondern von einem richtigen kleinen Haus. Man könnte es an all den malerischen Orten aufstellen, an denen man schon immer einmal leben wollte. Für Vogt die optimale Freiheit.

Die Tiny Houses stammen aus den USA

"Tiny Houses", der englische Begriff für solche kleinen, mobilen Häuser, in denen auf minimalistische Weise gewohnt wird, ist ein Trend aus den USA. Er entstand im Zuge der Immobilienkrise 2008. Die Idee ist, dass die kleinen Häuser äußerst effizient in eine bestehende Stadt integriert werden können. Beispielsweise wurde in den USA der Parkplatz eines Supermarktes mit Tiny Houses auf drei Meter hohen Stelzen überdacht. Damit erfüllt der Parkplatz nun eine doppelte Funktion: unten Parken, oben Wohnen. Eine platzsparende Maßnahme, um mehr Wohnraum zu schaffen.

Gidon Vogt, der seit 19 Jahren im Setbau für Film, Fernsehen und Werbung tätig ist, verwirklichte sich selbst diesen Traum von der Freiheit eines mobilen Heims. Er baute sich vor etwa zwei Jahren ein kleines Häuschen, mit dem er bis heute an den Wochenenden umherzieht. Doch es würde auch für ein dauerhaftes Leben taugen. Denn so begrenzt der Raum auch erscheinen mag, es bietet eine komplette Wohnausstattung. Seine Erfahrungen schöpft Vogt aus dem Kulissenbau. Dabei gestaltete er beispielsweise eine Wohnzimmerszenerie unter Wasser oder ein Puppenhaus-ähnliches Set, das an Alice im Wunderland erinnert. Nun möchte der 44-jährige "Selbstmacher" auch anderen Menschen die Möglichkeit bieten, den Charme eines Tiny Houses zu erleben. Er möchte auch ihre Träume erfüllen.

Gidon Vogt Tiny House Egling

Gidon Vogt baut seit vielen Jahren Film- und Fernsehkulissen.

(Foto: Privat)

Bei der Tiny-House-Bewegung kommt es ganz besonders auf das "Haus-Gefühl" an, erklärt Vogt. Bewohner sollen sich eben nicht fühlen wie in einem Campinganhänger. Es soll persönlich und heimelig sein. Auch auf nur maximal 20 Quadratmetern könne das gelingen. Größer sind die Tiny Houses von Vogt nicht, da sie sonst schwer zu transportieren wären. Eine Höhe von vier Metern überschreiten sie auch nicht, weil es sonst im Straßenverkehr nicht mehr bewegt werden dürfe. Und tatsächlich, sein Tiny House sieht aus wie eine Miniaturversion eines hübschen Holzhauses. Es hat ein richtiges Dach mit Ziegeln und eine Türklingel. Es ist Platz für ein Bad, eine Küche und hat außerdem eine eingezogene zweite Ebene. Durch die vielen Fenster ist es lichtdurchflutet und freundlich hell.

Rechtlich gesehen ist die Unterscheidung zwischen Haus und Fahrzeug schwierig

Gidon Vogt Tiny House Egling

Weil er an den Trend der Minihäuser glaubt, will Gidon Vogt nun weitere bauen und diese verkaufen.

(Foto: Privat)

Wie viel Haus darf und wie viel Fahrzeug muss in einem Tiny House stecken? Diesen Spagat zu bewältigen beschreibt Vogt als eine der größten Herausforderungen beim Bauen. Daher ist er auf die Idee gekommen, das Haus auf die Wechselbrücke eines Lastwagens zu stellen. Damit könne es problemlos bewegt werden. Es soll bewusst nicht fest mit dem fahrbaren Untergrund verschraubt sein, wie es viele andere Hersteller machen. Das habe den Vorteil, dass man das Häuschen auch auf Zeit platzieren könne.

Doch ganz so einfach ist es mit der vollkommenen Freiheit ja dann meist doch nicht. Denn ganz und gar überall kann man sein rollendes Eigenheim natürlich nicht einfach so abstellen. Auf einem Campingplatz würde es, dank seiner Mobilität, einen Platz finden. Hätte es keine Räder und wäre schlechter zu bewegen, gelte es für Campingplatzbesitzer schon als ein richtiges Haus, und hätte demnach dort nichts mehr zu suchen. Doch möchte der Hausbesitzer es an einem anderen Ort abstellen, braucht er auch für diese winzige Unterkunft eine Baugenehmigung.

Seit mittlerweile einem Jahr werkelt Gidon Vogt an einem vier Tonnen schweren Miniaturhaus. Noch heuer möchte er es so weit fertig stellen, dass es einen Käufer findet. Der kann es dann mit seinen individuellen Wünschen vervollständigen. Ein Tiny House ist eine sehr individuelle Sache, sagt er, je nachdem, was der Besitzer damit vor hat. Soll es beispielsweise autark einsetzbar sein und braucht dafür Solarzellen auf dem Dach? Möchte man mit einem Kaminofen heizen oder lieber mit einer Gasheizung? Ist eine Dusche im Häuschen gewünscht oder verzichtet man darauf und nutzt den Platz anderweitig? Das alles sind Fragen, die nur der künftige Besitzer entscheiden kann und muss, damit das Heim ideal zu ihm passt. Aus diesem Grund bietet Gidon Vogt das Häuschen praktisch als "Basis" an, über die Feinheiten entscheidet dann der Besitzer mit seinen Wünschen.

Auf Ebay Kleinanzeigen ist das mobile Heim derzeit für 45 000 Euro zu haben. Noch seien die Leute recht skeptisch, was das Konzept für ein solches Haus anbelangt, berichtet Vogt. Aber er ist optimistisch, dass sich der Trend weiter etablieren wird. Sei es aus zunehmendem Wohnraummangel oder dem Zeitgeist heraus, dass die Menschen sich wieder nach mehr Natur und Freiheit sehnen.

Mehr unter www.die-tiny-house-profis.de

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