Talentiade 2019 Doppelcheck für die Gegner

Die Zwillinge Nikolaus und Thomas Heigl teilen ihre Leidenschaft fürs Eishockey mit großem Erfolg. Mit Reichersbeuern wurden sie bayerische Meister, nun spielen sie für den EC Bad Tölz und die Nationalmannschaft

Von Arnold Zimprich, Greiling

Die Zwillinge Nikolaus und Thomas Heigl, im Januar 16 geworden, sitzen zu Hause am Küchentisch. Im Gespräch wirken sie abgeklärt und professionell - schließlich sind die beiden Eishockeyspieler des EC Bad Tölz in ihren jungen Jahren die Karriereleiter schon weit nach oben geklettert: bis in die deutsche U16-Nationalmannschaft.

Auf die Frage nach ihrem größten Erfolgserlebnis sagen die beiden einhellig: "die bayerische Meisterschaft vor zwei Jahren." Die holten sie noch mit der Knabenmannschaft des SC Reichersbeuern, ein 10:2 gegen den EV Landshut machte damals vorzeitig alles klar. "Seitdem wir vier sind, spielten wir beim SC Reichersbeuern", erzählt Nikolaus Heigl, genannt Klaus. "Unsere Familie hat uns immer unterstützt." Nach dem Erfolg mit ihrem Stammverein wechselte das Geschwisterduo schließlich zur Jugendmannschaft des EC Bad Tölz. "Das war für uns ein logischer Schritt", erklärt Klaus. Schließlich liegt die WeeArena des EC Bad Tölz nur 4 Kilometer von der Wohnung der Heigls in Greiling entfernt und beim SC Reichersbeuern wird nur bis zu den Knaben - das wären aktuell die Jahrgänge 2007/2008 - gespielt.

"Wir wurden beim EC Tölz von Derek Mayer trainiert, der hat den Verein aber leider verlassen", trauert Klaus Heigl seinem ehemaligen Trainer hinterher. "Jetzt trainiert uns Florian Funk, mit ihm haben wir allerdings noch nicht so viel zu tun gehabt." Auf die Frage, ob die beiden Eishockey-Talente einen Mentor gehabt hätten, erwähnen die Brüder hingegen Michael Schuster vom SC Reichersbeuern. "Er hat uns immer gefördert."

Die Zwillinge spielen seit einem Sichtungscamp, das 2017 in Füssen stattfand, in der U16 Nationalmannschaft und sind viel unterwegs. Das Sommertraining nimmt etwa zwei Stunden am Tag in Anspruch. "Von Montag bis Donnerstag wird trainiert, am Freitag gehen wir immer auf einen Berg", erzählt Klaus. 25 junge Eishockeyspieler trainieren in Tölz gemeinsam, "die kommen bis aus Südtirol und Erfurt und leben in Gastfamilien". Im Winter könnten es schon einmal dreieinhalb bis vier Stunden pro Tag auf dem Eis sein.

"Unser Traum ist schon, einmal vom Eishockey leben zu können", erklärt Thomas Heigl. Dass der Weg zum Profi ein harter ist, ist den beiden dabei durchaus bewusst. "Allein in die U17 und erst recht in die U18-Nationalmannschaft zu kommen, wäre ein großer Erfolg. Der Jahrgang 2002 ist extrem stark, da sind viele gute Spieler drin." Konkrete Pläne, wie es nach der Mittleren Reife, die sie 2020 ablegen werden, weiter gehen soll, haben die Geschwister Heigl allerdings noch nicht. "Wir wollen auch in der Schule erfolgreich sein", sagen sie. "Aber Eishockey steht für uns klar im Vordergrund." Die Zwillinge haben Glück, dass sich ihr Sport überhaupt mit der Schule vereinen lässt. Die Realschule Bad Tölz, die beide besuchen, gestattet ihnen den nötigen Freiraum, wie sie erklären: "Wenn wir für Spiele mit der Nationalmannschaft unterwegs sind, bekommen wir dafür frei." Das kann dann schon mal eine halbe Woche sein.

Dass das Eis ihre Welt ist, wissen die Heigls seit langem. "Wir haben früher auch mal in Reichersbeuern Fußball gespielt", erzählen sie. Aber ihr Interesse hat sich schnell zugunsten des Kufensports verschoben. Konrad Abeltshauser, der aktuell für den EHC München spielt, ist für beide ein Vorbild, wie auch Dominik Kahun, aktuell bei den Chicago Blackhawks. Zudem schwärmen die Zwillinge für NHL-Clubs wie die Detroit Red Wings und Tampa Bay Lightning. Allerdings werden NHL-Spiele nachts übertragen, und so kommen die Heigls nur selten in den Genuss, ihren Lieblingsvereinen zuzusehen.

(Foto: )

Auf die Frage, ob es denn eine ideale Statur für Eishockeyspieler gebe, muss Klaus Heigl lachen. "Schnelligkeit und Geschicklichkeit sind wichtiger als der Körperbau", sagt er. "Man muss gut Schlittschuh laufen können und ein gutes Gespür haben". Die Taktik werde zwar mit dem Trainer von Zeit zu Zeit besprochen, komme aber erst an zweiter Stelle. 130 Euro kostet ein Eishockeyschläger im Schnitt, rechnet indes Klaus Heigl vor. Helm, Protektoren, Schuhe und Trikot bekommt man vom Verein gestellt, für Verschleißteile muss selbst aufgekommen werden. Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten sind es aber kleine Summen.

Eishockey fordert jedoch nicht nur das Material, sondern auch den Körper. Schließlich rücken sich die Spieler mit einiger Brutalität zu Leibe. "Das gehört beim Eishockey einfach dazu", sagt Thomas Heigl und grinst. "Checks werden auch immer wieder trainiert." Am Ende stehe der Teamgedanke immer im Vordergrund, betonen die Zwillinge. Ihr größter Wunsch wäre es, dass der EC Bad Tölz wieder in der ersten Liga spielt. "Tölz hat viele gute Spieler, die aber in den letzten Saisons immer wieder von Verletzungen geplagt wurden." Die Heigl-Brüder wollen auf dem Weg zu neuen Erfolgen ihrem Verein jedenfalls noch lange die Treue halten.