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Swingende Weihnachts-CD:Schmissig rieselt der Schnee

Das Tölzer Quartett Session 4 Four lässt auf seiner Weihnachts-CD Maria durch den Dornwald tanzen.

So wie es aussieht, gibt sich Weihnachten heuer ganz traditionell in Weiß. Da können die Weihnachtslieder ruhig ein bisschen unkonventionell klingen. Ein grooviges "Kommet ihr Hirten" etwa, "Schneeflöckchen, Weißröckchen" im Cha-Cha-Rhythmus, oder eine Jazz-Version von "Süßer die Glocken".

Mit Saxophon und Megaphon gespielt, grooven Weihnachtslieder gleich viel mehr. Session 4 four machts vor.

(Foto: Hartmut Pöstges)

So am Samstagabend im Tölzer "Rossini", an dem die Musiker von Session 4 Four, Florian Rein (Schlagzeug), Peter Zoelch (Saxofon, Klarinette), Markus Kugler (Kontrabass) und Matthias Karpf (Klavier) eigentlich ihre erste gemeinsame CD, "Swinging Christmas", vorstellen wollten. Der Schnee hat ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

"Wir sind selber schuld, weil wir schon im Sommer angefangen haben, Let it Snow zu proben", sagt Peter Zoelch, Tölzer Musikschullehrer und Mitglied der Formation Don't walk on the brass. Irgendwann habe Petrus ein Einsehen gehabt und die weiße Pracht derart üppig beschert, dass der Lastwagen mit den fertigen CDs hängen geblieben sei.

Was darauf zu hören ist, präsentieren sie den rund 30 Zuhörern bei der fast schon traditionellen Weihnachtssession im Rossini live: Bekannte amerikanische und deutsche Weihnachtslieder in klassischen und ungewohnten Versionen.

Seit zwanzig Jahren spielen die Vier schon zusammen, seit der gemeinsamen Schulzeit am Tölzer Gymnasium. Entsprechend harmonisch klingt das: Klarinette oder Saxofon übernehmen die Melodie, das Klavier perlt und swingt, lässig lässt Karpf seine Finger über die Tasten schnurren. Nichts drängt sich auf, die Lautstärke ist angenehm, weil die Musiker ohne große Verstärkeranlage spielen.

Witzig ist die Dixie-Version von "Santa Claus is Comin' to Town": Zoelch singt durch ein Megafon, was dem Klassiker den nostalgischen Charme angekratzter Schellackplatten verleiht. Vor dem inneren Auge erscheint der dicke Coca-Cola Mann im roten Mantel, der es als Santa Claus zu Weltruhm gebracht hat. Schräg auch das fetzige "Jingle Bells", bei dem Zoelch die Melodie nacheinander auf seiner Klarinette, einer ultrakurzen Tin Whistle, einer Posaune und auf der Trompete spielt, und Bananafishbones-Drummer Florian Rein ein sattes Schlagzeugsolo hinlegt.

Das Besondere an diesem Abend sind die deutschen Weihnachtslieder, oder das, was die Band daraus macht: Nie rieselte der Schnee schmissiger als in der Version von Session 4 Four. Ungewöhnlich auch "Maria durch ein Dornwald ging" als Bossa Nova. Die archaische Melodie der Querflöte wird mit dem lebendigen Latin-Rhythmus kontrastiert.

Dadurch verliert sie ihre Strenge, nicht aber die schlichte Schönheit. Denn bei aller Variation - überfrachtet wirken die Arrangements nie. "Es reizt uns, den Melodien, die jeder aus seiner Kindheit kennt, einen anderen Rhythmus zu geben", sagt Zoelch. Schwülstig dürfe es auf keinen Fall klingen. Deutsches Liedgut, verjazzt mit einem Augenzwinkern, darauf wollten sie hinaus.

Gelungen ist das beim Gänsehautklassiker "Stille Nacht" am Ende des eineinhalbstündigen Konzerts: Die Musiker machen daraus ein zünftiges Humtata-Stück mit Posaune, Gitarre, Akkordeon und Harmonika. Eine Art Gänsehaut stellt sich schon ein, vor allem aber ein breites Grinsen. Eine wirklich schöne Bescherung.

© SZ vom 14.12.2010/tob

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