Städtische Musikschule Die Liebe obsiegt

100 Kinder und Jugendliche inszenieren das tapfere Schneiderlein als Musical. Ihre Botschaft an die 500 Zuschauer in der Loisachhalle lautet: Fürchtet euch nicht vor dem Unbekannten

Von Benjamin Emonts, Wolfratshausen

Sei selbstbewusst und einfallsreich, das ist die Kernbotschaft, die das tapfere Schneiderlein in die Welt hinaus trällert. Konflikte, das beweist das pfiffige Kerlchen, lassen sich auch ohne Kriegsbeil begraben, man muss nur aufeinander zugehen. Fast 100 Kinder und Jugendlichen führen das beim alljährlichen Kindermusical der städtischen Musikschule Wolfratshausen wunderbar vor. Mit den gefürchteten Riesen, die in Wirklichkeit ziemlich korrekte Typen sind, schließen die Bürger am Ende Frieden, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wird. Die Liebe obsiegt. Und die 500 Zuschauer in der ausverkauften Loisachhalle klatschen begeistert.

Die jungen Musiker und Schauspieler beherzigen das, was das tapfere Schneiderlein verlangt: Sie treten selbstbewusst und einfallsreich auf. Ihr fast 70 Minuten langes Musical wird so zu einem lebendigen und kurzweiligen Erlebnis. Bühnenbilder und Kostüme sind bunt und liebevoll gestaltet, mal tauchen die Zuschauer in einen Wald mit Wildschweinen und Riesen ein, mal lauschen sie König und Prinzessin im hoheitlichen Schloss. Der gebürtige Münchner Komponist Emanuel Schmidt hat den jungen Musikern dazu heitere und humorvolle Texte und Musikstücke geschrieben. Der renommierte Chorleiter Yoshihisa Matthias Kinoshita, der bundesweit bekannt ist, dirigiert den Kinderchor und das Orchester mit seiner gewohnt ansteckenden Hingabe, Heinrich Zapf führt überzeugend Regie.

Ohnehin ist die Geschichte vom tapferen Schneiderlein hochaktuell, schließlich handelt sie von Machtintrigen, Unterdrückung, gezielter Fehlinformation und verborgenen Ängsten vor dem Unbekannten. Das Volk fürchtet die Riesen und der König sucht nach einem Helden, der sie besiegt - als Lohn verspricht er seine bezaubernde Tochter und das halbe Königreich. Der arme, aber sehr eloquente und weltoffene Schneider erobert sie. Das Volk hält ihn schon deshalb für einen Helden, weil er angeblich sieben Diebe auf einen Streich zur Strecke gebracht hat. Es waren aber nur Fliegen. Und den Krieg mit den Riesen, denen er freundschaftlich begegnet, gewinnt er durch Diplomatie. Die Riesen schließen einen Kompromiss mit dem König, sie wollen nur den Landwirtschaftsminister stellen, der sich gegen Glyphosat und Massentierhaltung einsetzt. Der König willigt ein. Die Prinzessin heiratet den tapferen Schneider. "Weißt du was? Ich glaube, du bist gar kein Krieger. Aber ich mag dich trotzdem", sagt sie.