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Spiel der Emotionen in Icking:Meister des unmittelbaren Ausdrucks

LUX TRIO Meistersolisten im Isartal

Spiel der Emotionen: Jae Hyeong Lee (Geige), Eunyoo An (Klavier) und Hoon Sun Chae (Violoncello) zeigen auf der Bühne des Ickinger Gymnasiums, dass sie alle Register der Farb- und Ausdrucksnuancen beherrschen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das "Lux Trio" aus Südkorea glänzt mit selten gehörten Werken von Haydn, Schostakowitsch und Smetana

Von Ulrich Möller-Arnsberg, Icking

Vollgespickt wäre ihr Konzertkalender im Frühjahr und Sommer gewesen, unter anderem auch mit einem Auftritt im Rainer Maria Rilke Gymnasium bei "Klangwelt Klassik". Wäre gewesen, aber jetzt waren sie tatsächlich da: die drei Musiker des großartigen Lux Trios aus Südkorea. Am Abend des Feiertages zur Deutschen Einheit spielten die dritten Preisträger des ARD-Wettbewerbs 2018 ein Programm, das besser nicht zu diesem Datum hätte passen können.

Der Auftakt: Joseph Haydn. Nicht das Klaviertrio mit dem oft gespielten ungarischen Thema stand auf dem Programm, sondern das seltene Es-Dur-Werk XV:36. Schon hier zeigten die Geigerin Jae Hyeong Lee, die Pianistin Eunyoo An und der Cellist Hoon Sun Chae, dass sie die anspruchsvolle, fein-gefällige Formsprache Haydns bei ihrer stupenden Technik souverän beherrschen.

Im ersten Klaviertrio von Dmitri Schostakowitsch - auch dieses anders als das zweite nicht oft zu hören - zeigten die drei Koreaner aber vor allem, dass ihre Spielhaltung keine intellektuelle, distanzierte ist. Vielmehr sind sie Meister im unmittelbaren, emotionalen Ausdruck. Die Musiker, die bei Kammermusikkoryphäen wie Christoph Poppen in München und Eberhard Feltz in Berlin studiert haben, beherrschen alle Register der Farb- und Ausdrucksnuancen. Spannend zelebrierten sie das Jugendwerk von Schostakowitsch, in dem schon all die musikalische Lakonie, der Spielwitz, aber auch das melancholisch Verhaltene zu finden ist - das also, das die unverwechselbare Klangsprache des Russen ausmacht.

Nach diesem Programmpunkt gab es schon stürmischen Applaus und Bravi von den Kammermusikfans im Saal des Ickinger Gymnasiums. Dabei hatten sich die drei Musiker als letzten Programmteil einen besonderen Höhepunkt aufgehoben: das Klaviertrio op. 15 von Bedrich Smetana. Auch dies ist in den Konzertsälen so gut wie nie zu hören. Ein expressiv-dramatisches Werk von 1855, von dem tschechischen Komponisten geschrieben unter dem Eindruck des Todes der Tochter Friederike, die einer Scharlach-Infektion erlegen war. Das kantige Solorezitativ, mit dem die Geigerin Jae Hyeong Lee kühn das Stück eröffnete, zog sofort in Bann. Es dauert eine ganze Weile, bis der verzweifelte Hader, den Smetana hier musikalisch aufgebaut hat, zu tröstenden Melodiemomenten wechselt. Kongenial zeigten die drei Musiker im Zusammenspiel, dass es bis zum Schlusssatz in dieser Ambivalenz zwischen immer wieder aufbrechender Klage und melodieseligen Erleichterungen hin und her geht.

Wie wichtig bei solcher Ausdrucksmusik die Stille zwischen Klängen und Tönen sind, bewiesen die Musiker eindrucksvoll im Spannungsmoment einer Generalpause mitten im musikalischen Geschehen. Gefühlt war das vielleicht die längste Generalpause, die bislang im Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium zu erleben war - großartig.

Viel Aufwühlendes gab dieser Smetana der 1850er Jahre her, den man in seiner Verzweiflung durchaus auch symbolisch nehmen kann für die heutige Zeit unter Corona-Bedingungen und für einen besonderen Feiertag zur 30-jährigen Deutschen Einheit, der auch vom Gefühlswechsel zwischen Hoffnung und Sorge geprägt ist.

Als Zugabe gab es in Icking von den drei Koreanern dann mit "Oblivion" eine der "Tango Nuevo"-Kompositionen des Argentiniers Astor Piazzolla, die in ihrer Sentimentalität weniger aufwühlend, sondern eher beruhigend wirkte. Es war ein perfekter Ausklang eines für viele im Publikum wohl unvergesslichen Abends.

© SZ vom 05.10.2020

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