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Sperriger Lift:Barrieren abbauen

Stadtbaurat Rainer Goldstein geht zurzeit an Krücken - nicht einfach im Geretsrieder Rathaus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Geretsrieder Rathaus wird eine Aufzugsanlage installiert

Das Geretsrieder Rathaus soll barrierefrei werden. Das 78 Jahre alte einstige Verwaltungsgebäude der NS-Munitionsfabrik Dynamit Aktien Gesellschaft (DAG) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in Gelb und Weiß-Blau statt in der Tarnfarbe Grau gestrichen und wird seitdem für den zivilen Zweck genutzt. Den Anforderungen an Barrierefreiheit genügt das dreigeschossige Haus nur durch einen sperrigen Treppenlift - den man auch selten in Fahrt sieht. Am Dienstag hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, dass nun ein Aufzug eingebaut wird, der bis unters Dach führt. Dies soll mit der Anbindung des Rathauses an die zentrale Tiefgarage unter dem Karl-Lederer-Platz geschehen. Beide Maßnahmen zusammen werden nach Aussage von Johannes Eck, Sprecher des Architekturbüros Kehrbaum, mindestens eine Million Euro kosten.

Wie mühsam es sein kann, sich im Rathaus der mit 25 000 Einwohnern größten Stadt des Landkreises zu bewegen, diese Erfahrung macht zurzeit Stadtbaurat Rainer Goldstein. Der 40-Jährige hat sich den linken Fuß gebrochen und trägt daher Gips. Autofahren mit Automatik sei da gar kein Problem, sagt er. Im Rathaus die Treppen hinauf, das sei auf zwei Krücken schon deutlich schwieriger.

Bis 2019 soll der Aufzug eingebaut sein. Wo genau er im Rathaus positioniert wird, werde sich in den nächsten zwei Monaten entscheiden, sagt Goldstein. In der Sitzungsvorlage hieß es, der Einbau müsse umfassend durch Fachingenieure geplant und vom Landratsamt baurechtlich geprüft werden. Denkmalschutz und Brandschutz seien zu berücksichtigen. Es sind zwei Bauabschnitte vorgesehen: die Tiefgaragen-Anbindung in diesem Jahr, die Aufzugsanlage im kommenden. Der erste Teil sei "dringlich", sagte Architekt Eck, da der Tiefgaragenbau des Unternehmens Krämmel schon so weit fortgeschritten sei.

Hans Ketelhut (CSU) äußerte vor der Zustimmung "größte Bedenken", ob die Kosten bei einem Eingriff in ein so altes Gebäude im Rahmen bleiben. Seine Fraktionskollegin Karin Schmid bat darum, den Lift so groß zu wählen, dass neben einem Menschen im Rollstuhl auch eine Begleitperson Platz findet.

© SZ vom 22.03.2018

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