bedeckt München 10°

Selbstversorger:Aubergine und Zuckerschoten

Hier wird Kraut gemacht. Der Tölzer Krautacker erfreut Erwachsene und Kinder. Für die neue Saison werden weitere "Mit-Ackerer" gesucht.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der "Tölza Krautgarten" will weiter wachsen, weil immer mehr Menschen ihr Obst und Gemüse selbst anbauen wollen. Die erste Saison ist gut gelaufen, auch wenn der trockene Sommer nicht für alle Pflanzen gut war

Von Petra Schneider, Bad Tölz

Die erste Saison am "Tölza Krautgarten" ist gut gelaufen: Von Auberginen bis Zuckerschoten hätten die Leute alles mögliche angebaut, sagt Rose-Marie Beyer von der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, die das Projekt betreut. Die Trockenheit dieses Sommers habe nicht allen Pflanzen gutgetan. Kartoffeln, "so là là", sagt Beyer, Soja mickrig, Äpfel dagegen "wahnsinn". Grundstückseigentümer Martin Sappl habe täglich einen Wasserkarren zum Krautgarten gefahren, das sei heuer ein "Riesenproblem" gewesen.

Im kommenden Jahr soll eine Wasserleitung gelegt und die Ackerfläche auf der Zwickerwiese gegenüber dem Friedhof erweitert werden: Bauer Sappl will sie von bisher 2500 Quadratmeter auf 5000 verdoppeln. Statt derzeit rund 30 Parzellen wird es dann 50 geben. Mitackerer würden gesucht, sagt Beyer, mindestens fünf Parzellen seien noch zu vergeben. Jede ist rund 75 Quadratmeter groß, die Pacht kostet 70 Euro pro Jahr. Im Schnitt arbeiten die Leute zweimal die Woche auf ihren Parzellen. In der kommenden Saison soll auf einem Teil des Grundstücks Permakultur angelegt werden. Dort könnten auch mehrjährige Pflanzen angebaut werden.

Träger des Projekts ist die Kreisgruppe des Bund Naturschutz. Gartler müssen eine Nutzungsvereinbarung für drei Jahre unterschreiben. Sie verpflichten sich damit, ihre Parzelle ökologisch zu bewirtschaften: Mit Bio-Saatgut, aber ohne Schneckenkorn, chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger. Einjährige Blumen sind erwünscht, weil auf dem nahe gelegenen Zwickerhof 40 Bienenvölker leben, die Blühflächen brauchen. Auch für Anfänger sei der Krautgarten geeignet. "Keine Angst - wer keine Ahnung von Gemüseanbau hat, wird über den Winter geschult", sagt Beyer. Es gebe Infoabende für Einsteiger, und die Ackerer tauschten sich untereinander aus. Familien mit Kindern, Senioren-Gruppen und junge Leute, Veganer zum Beispiel, die auf dem Acker spezielle Sorten anbauen wollten, seien mit dabei. Einige Parzellen werden von Klassen der Jahnschule bewirtschaftet.

Die Förderschule komme seit diesem Schuljahr im Rahmen des Projekts "Grünes Klassenzimmer" wöchentlich zu den Parzellen, sagt Beyer, die beim BN für den Bereich Umweltbildung zuständig ist. Fast alle Ackerer kommen aus Bad Tölz, und das sei auch so gewollt. "Die sollen mit dem Rad kommen können" - aus Gründen des Umweltschutzes und weil es direkt am Acker keine Parkplätze gebe.

Sappl will im kommenden Jahr Stellplätze schaffen, damit das gefährliche Überqueren der Straße vom Friedhofsparkplatz wegfällt. Auf dem Gelände werde am Anfang einer Saison eine Kiste mit "Werkzeug für alle" zusammengestellt, erklärt Beyer: Spaten, Gießkanne, Grabgabel; jeder bringt etwas mit. "Heimschleppen muss man nur die Ernte".

Ackern liegt im Trend: Denn wer wissen will, wo sein Essen herkommt, baut es selbst an. Außer dem Tölzer Krautacker betreut der BN seit zwei Jahren auch den Lenggrieser Acker mit 60 Parzellen am Steinbach neben der Genossenschaftsgärtnerei "Biotop Oberland". Einen kleineren mit elf Pächtern unter dem Dach des Netzwerks "Unser Land" gibt es in Peretshofen. Wenn es nach Beyer ginge, sollte alle 20 Kilometer ein Selbstversorger-Acker zur Verfügung stehen, an Stadträndern oder in Siedlungen, wo die Leute keine eigenen Gärten haben. Für heuer ist die Saison zu Ende: Bis Ende Oktober muss alles abgeerntet sein, damit Bauer Sappl Gründüngung zur Bodenverbesserung einbringen kann. Mitte April, Anfang Mai geht es wieder los: Dann wird der Acker umgepflügt und die Bifänge für die Parzellen gezogen.

Infos unter www.ackern-im-oberland.de

© SZ vom 16.10.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite