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Schulverpflegung:Barbara, ihnen schmeckt's nicht

Teller bleiben voll, Kinder springen auf: Die Tölzer Jahn-Grundschule ist unzufrieden mit ihrem Mensa-Essen. Darum hat sie mit Barbara Scheidler den staatlichen Schulverpflegungscoach zu Hilfe gerufen

In der Schule wird längst nicht mehr nur gelernt, sondern oft auch gemeinsam zu Mittag gegessen. Schließlich wird der Ganztagsunterricht für immer mehr Kinder zur Notwendigkeit. So auch an der Jahn-Grundschule in Bad Tölz, wo es seit 2014 gebundene Ganztagsklassen und eine Mensa gibt. Zwei Klassen mit insgesamt etwa 40 Schülern essen dort derzeit an vier Tagen pro Woche. Doch so richtig schmeckt es ihnen nicht. Die Kinder bleiben nicht länger am Tisch als unbedingt nötig, viele geben volle Teller ab, was Eltern und Lehrern betrübt.

Jahnschule - Mensa

Mensa im Umbruch: Die Schüler Dijon, Nicola, Leonhard und Hanna (v.li.) holen das Essen für ihren Tisch bei Koch Sebastian Kruschel ab.

(Foto: Manfred Neubauer)

Das soll nun anders werden - mit Hilfe eines "Schulverpflegungscoaches", den das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stellt: Die Expertin Barbara Scheidler will bis zum Ende des Schuljahres nicht nur die Qualität und den Geschmack des Essens verbessern, sondern auch die Mensa zu einem angenehmeren Ort machen - und zwar gemeinsam mit Lehrern, Eltern, Stadt, Caterern und Schülern.

Scheidler hat einen strengem Blick und reichlich Erfahrung: Seit sieben Jahren ist sie als "Schulverpflegungscoach" tätig. Sie betreut drei Schulen im Jahr. Bezahlt wird sie von der "Vernetzungsstelle Schulverpflegung Oberbayern Ost" im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg angesiedelt ist. Die wurde 2009 eingerichtet - in erster Linie, um die Speisepläne zu verbessern, sagt ihre Leiterin Kristin Mayr. Aber es gehe eben um mehr als um ein Angebot nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. "Wir wollen, dass es ein gutes Essen gibt", sagt Mayr. "Aber wir gehen ein bisschen einen anderen Weg."

Gesund essen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für das Mittagessen in der Schule ein abwechslungsreiches Angebot mit frischen Produkten. Getreideprodukte und Kartoffeln sollten täglich vorkommen, und mindestens zu einem Fünftel aus Vollkorn, maximal zu einem Fünftel aus Kartoffeln bestehen. Ein Speiseplan für 20 Tage sollte täglich Gemüse oder Salat bieten, sowie an jeweils mindestens acht Tagen Rohkost, Milchprodukte und Obst. Fleisch und Wurst hingegen sollte es laut den Richtlinien der DGE höchstens an acht Tagen geben, mindestens die Hälfte davon als mageres Muskelfleisch. An wenigstens vier Tagen sollte Fisch serviert werden, mindestens zur Hälfte als fettreicher Seefisch. Zudem sollten die Kinder jederzeit ausreichend zu Trinken haben, Wasser oder ungesüßte Früchte- oder Kräutertees. Mehr unter www.schuleplusessen.de. aip

Wie der aussieht, erläutert Scheidler, die im September ihre Arbeit in Tölz aufgenommen hat: Im Projektzeitraum solle ein nachhaltiges Konzept entstehen, das von allen Beteiligten getragen werde, sagt sie. Deshalb hat sie an der Jahnschule ein "Essensgremium" gegründet, dem neben der Schulleiterin Christine Janning und ihrer Stellvertreterin Birgit Veigl auch Petra Götzenberger, Geschäftsführerin der für das Catering zuständigen Kinderland Weyarn GmbH und ihr Koch Sebastian Kruschel angehören, sowie Sabrina Lorenz von der Stadt als Sachaufwandsträgerin und Sven Kaiser als Vertreter der Eltern. Alle sechs bis acht Wochen trifft sich das Gremium, gerade hat es die Ziele festgelegt.

Jahnschule Mensa Coaching

Barbara Scheidler (links) weiß, was eine gute Mensa braucht. Schließlich ist sie bereits seit sieben Jahren als Schulverpflegungscoach tätig.

(Foto: Manfred Neubauer)

Zunächst aber habe sie sich von der Mensa ein Bild gemacht und am Essen teilgenommen, berichtet Scheidler. Sie habe den Speiseplan "sehr kritisch unter die Lupe genommen" und festgestellt: "Er ist gar nicht so schlecht." Schließlich hatten Schule und Caterer schon in den vergangenen Monaten einiges geändert: So wurde die oft verschmähte Suppe abgeschafft und durch einen frischen Salat ersetzt, der täglich zur Hauptspeise gereicht wird. Und es gibt einen "Pizzatag", den sich die Kinder gewünscht haben. Scheidler hat zudem einige kleine Veränderungen angeregt, etwa mehr Vollkornprodukte und vegetarische Gerichte. Ein paar davon hat Koch Kruschel schon umgesetzt: Gemüselasagne oder Linsensuppe seien gut angekommen, sagt er: "Die Kinder kommen zu mir und sagen: Schmeckt gut."

Eine für die Eltern wichtige Neuerung ist der so genannte "pädagogische Happen": Die pädagogische Fachkraft Ramona Kraus, die den Mittagstisch der Schüler mitbetreut, probiert das Essen nun regelmäßig selbst. So habe man ein "wichtiges Feedback", sagt Sven Kaiser vom Elternbeirat, dessen Sohn im zweiten Jahr in der Schule isst: "Wir wissen, dass die Qualität stimmt." Das sei ein "beruhigendes Gefühl" für die Eltern. Wenn sie zu Hause hörten, es habe nicht geschmeckt, könnten sie so auf ihre Kinder einwirken. Speisen wie Couscous seien zwar nicht so beliebt, aber man könne eben nicht immer Pizza essen.

Im Gremium sind sich aber alle einig, dass es um mehr geht als den Speiseplan. Deshalb soll die Mensa bunter und auch leiser werden. Dass die Akustik zu wünschen übrig lässt, hat Scheidler schnell gemerkt. Im Raum sei kein normales Tischgespräch möglich, sagt sie. Nun sollen die Tische mit einem Molton-Belag überzogen werden, der das Klappern des Geschirrs schluckt. Dass diese kleine Maßnahme viel bewirke, habe sie in anderen Schulen erlebt, sagt Scheidler. Später sollen Vorhänge den Schall zusätzlich mindern und farblich Akzente setzen. Grünpflanzen sollen die "Wohlfühlatmosphäre" zusätzlich steigern. Vor allem aber, sagt Schulleiterin Janning, wolle man die Kinder mit einbeziehen: bei der Auswahl der Tischdecken oder beim Basteln jahreszeitlich wechselnder Dekorationen. "Es soll ja ihre Mensa werden", sagt die Rektorin. Mit den Schülern sollen auch Mensa-Regeln entwickelt werden, die ältere Kinder dann an jüngere weitergeben. Janning ist sich jedenfalls sicher, dass das Coaching dazu führt, dass ihre Schüler wieder gerne in der Mensa essen. Die Mittagsverpflegung sei "ganz zentral". Nur wenn sie funktioniere, werde der gebundene Ganztag auch akzeptiert.