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Schlangestehen in Wolfratshausen:Wild und ausverkauft

Von Montana bis nach Louisiana ist Dirk Rohrbach gepaddelt - 6000 Kilometer auf Missouri und Mississippi.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Umjubelte Premiere des Reisejournalisten Dirk Rohrbach beim neuen Festival in der Loisachhalle

In der ausverkauften Loisachhalle hat Aussteiger Dirk Rohrbach am Samstag mit der Fotoreportage "Im Fluss" eine gelungene Premiere seines Festivals "Wild!" gefeiert. Warum er sich gerade Wolfratshausen ausgesucht hat? Vor mehreren Jahren habe er hier auf Einladung eines örtlichen Reisebüros eine seiner früheren Abenteuerreisen vorgestellt, erzählt Rohrbach. Daraus sei zusammen mit der Stadt die Idee zur weiteren Zusammenarbeit entstanden. Zwei Jahre lang habe er mit den Kulturmanagerinnen Marion Klement und Marlene Schretzenmaier das Festival organisiert, das auch en Survival-Urvater Rüdiger Nehberg, den Ickinger National-Geographic-Fotografen Carsten Peter und ZDF-Filmemacher Axel Gomille präsentiert. Da sieht auch Bürgermeister Klaus Heilinglechner stolz aus.

Lange vor Einlass stehen am Samstag Leute jeden Alters Schlange. Das Publikum liebt Rohrbach, den Arzt, Radiomoderator, Autor und modernen Abenteurer, der seit vielen Jahren quer durch die USA reist. Diesmal hat er sich selbst ein Kajak gebaut und ist im Sommer 2018 die 6000 Kilometer von oben in Montana bis ganz unten nach Louisiana gepaddelt, auf den beiden längsten amerikanischen Flüssen, dem Missouri und dem Mississippi, und das als erster Europäer. Die Zuschauer sehen zunächst grandiose Aufnahmen von fast unbesiedelter Landschaft.

Auf der Bühne steht die wohl beste bayerische Südstaaten-Band, Smokestack Lightnin' aus Nürnberg, die die Foto-Show live begleitet. Dazwischen greift Rohrbach zum Mikrofon und berichtet vom Ringen mit der Natur, von Hindernissen wie gewaltigen Stromschnellen und Staudämmen, Monsterstauseen mit mehreren hundert Kilometern Länge, brutalen Stürmen, die die halbe Ausrüstung wegschwemmten, bis zum Loch im Boot. Erlebnisse und Anstrengungen, die ihm, dem hochmütig gewordenen Naturburschen, alles abverlangten. Im kilometerbreiten Mississippi rudert Rohrbach dann reichlich verloren wirkend in seinem winzigen Kajak vor Industriemetropolen und riesigen Schleppkähnen und Frachtschiffen.

Alles andere als abgedroschene Aufnahmen sind die Einblicke in eine moderne Baumwollfabrik im tiefen Süden, mit gigantischen maschinengepflückten Ballen. Das beste Bild gibt Rohrbach aber selbst ab als Lederstrumpf des 21. Jahrhunderts. Die ihn begleitende Fotografin Claudia Axmann weiß den Reisenden inmitten spektakulärer Landschaft bestens in Szene zu setzen - mit seinem markigen Trapper-Gesicht, der von einem Bandana gebändigten schulterlangen Mähne und dem drahtigen Körper. Jedoch hat das Multitalent, das das Publikum zum Abschluss seiner Show sogar als recht ordentlicher Sänger zu verblüffen weiß, glücklicherweise seinen Beruf als Radiojournalist nicht verlernt. Es sind die Geschichten, die er erzählt und die ungewöhnlichen Menschen, die er unterwegs aufspürt, die aus der Veranstaltung weit mehr machen als eine bebilderte Reiseerzählung. So trifft er den Urenkel der ersten Erforscher des amerikanischen Westens, den Schatzsucher, der im verlassenen Flussbett einen untergegangenen Schaufelraddampfer entdeckt hat, den Züchter von Dinosaurier-Fischen oder die zottelhaarige Voodoo-Priesterin.

In der Pause zeigt sich, dass in jedem Zuschauer ein kleiner Abenteurer steckt. Der fleißig seine Bücher signierende Rohrbach ist dicht umlagert und die CDs der Band erfreuen sich ebenso bester Nachfrage wie die Rucksäcke des ausstellenden Outdoor-Ausstatters auf der kleinen Reisemesse im Foyer.

© SZ vom 20.01.2020