bedeckt München 17°

"Schätze aus dem Stadtarchiv":Historie online

geretsried historische serie 60 jahre gemeinde die ersten flüchtlinge quartieren sich im heutigen rathaus, dem früheren verwaltungsbau der rüstungsfabrik in geretsried ein quelle: chronik der stadt geretsried

Vor 75 Jahren quartierten sich die ersten Flüchtlinge im früheren Verwaltungsbau der NS-Rüstungsbetriebe, dem heutigen Rathaus, ein.

(Foto: Stadtarchiv Geretsried)

Geretsried bietet eine Filmreihe von Sybille Krafft und Rüdiger Lorenz

Folge zwei ist gerade online gegangen: Unter dem Titel "Schätze aus dem Stadtarchiv" präsentiert Geretsried eine exklusiv produzierte Filmreihe. Autorin ist die Ickinger Historikerin und Filmemacherin Sybille Krafft. Für den Dreh zeichnet ihr häufiger Berufspartner, der Filmproduzent Rüdiger Lorenz, ebenfalls aus Icking, verantwortlich.

Die Reihe begann mit dem Vertriebenenbrauch der "Urzeln". Der aktuelle Beitrag erinnert an die Ankunft der ersten Heimatvertriebenen aus Graslitz im Egerland (heute Kraslice in Tschechien) am 7. April 1946. Diesem folgten im Laufe des Jahres Transporte aus Tachau sowie Karlsbad und Umgebung. Auf Anregung der Landsmannschaft "Eghalanda Gmoi" wurde am 23. September 1956 ein Gedenkstein errichtet. Der Tag der Enthüllung wurde filmisch festgehalten; eröffnet wurde die Feierstunde damals von Anton Sacher, dem Vorstand der Egerländer. An diese Tradition anknüpfend wurde der heutige "Vüarstäiha der Gmoi", der Vorsitzende Helmut Hahn, zusammen mit seiner Frau Bärbel im Beitrag um sein Fach- und Hintergrundwissen gebeten.

So ist die gesamte Reihe aufgebaut: Den ausgewählten historischen Impressionen - Zeitzeugen-Interviews oder Aufnahmen von besonderen Ereignissen und Festivitäten - werden heutige Aufnahmen gegenübergestellt. Einerseits werden nach Auskunft aus dem Rathaus historische Schätze verwendet, die teils noch nie veröffentlicht wurden. Andererseits kämen "Botschafter von Kultur und Tradition" aus der heutigen Zeit zu Wort. "Mit ihrem Fach- und Hintergrundwissen verankern sie die bewegten Bilder der Vergangenheit im Hier und Jetzt."

Stadtarchivarin Nadine Wickert erklärt: "Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Tradition und Moderne: In den Beständen des Stadtarchivs Geretsried finden sich Filmaufnahmen, die bis in die 1950er Jahre zurückreichen." Diese Zeugen der Zeitgeschichte veranschaulichten, so Wickert, wie sehr Traditionen noch heute das städtische Leben prägten.

Die Pandemie lasse seit Monaten kaum Veranstaltungen zu, sagt Bürgermeister Michael Müller (CSU). Mit der Filmreihe wolle die Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern wenigstens eine kleine Alternative bieten. Schon im vergangenen Jahr hatte Geretsried größtenteils auf Veranstaltungen zu ihrem Doppeljubiläum - 50 Jahre Stadt, 70 Jahre Gemeinde - verzichten müssen. Damals sei der Gedanke an eine historische Filmreihe gereift, erklärt Müller. "Dürfen wir zu wichtigen Anlässen nicht mit unseren Bürgerinnen und Bürgern zusammenkommen, wollen wir ihnen diese Anlässe zumindest auf diesem Wege näherbringen. Unser Motto: Vergangenheit trifft Gegenwart, selbst in kontaktlosen Zeiten."

Sybille Krafft, die den Historischen Verein Wolfratshausen und die "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald" leitet, würdigt die Geretsrieder Bemühungen. "Es ist sehr verdienstvoll, dass die Stadt so weitblickend ist, ihre filmischen Schätze fachgerecht zu sichern und die Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für die Nachwelt festzuhalten." Andernfalls drohten solche wertvollen Stimmen unwiederbringlich verloren zu gehen.

Fünf Filme sollen im Laufe des Jahres entstehen: "Abwechslungsreiche, prägnante und unterhaltsame Beiträge." Abrufbar sind sie jeweils übers Internet: www.geretsried.de/schaetze-aus-dem-stadtarchiv

© SZ vom 12.04.2021 / fam
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema