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Reichersbeuern:Miederer fordert Dieckmann heraus

Ökologische und soziale Themen im Gepäck und ein sportliches Ziel vor Augen: Georg Miederer.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Grüne in Reichersbeuern stellen eigenen Bürgermeisterkandidaten

Erst im Juni vorigen Jahres hat sich in Reichersbeuern ein Ortsverband der Grünen gegründet. In der kommenden Legislaturperiode wollen sie auf jeden Fall mitreden: Mit Georg Miederer schicken die Grünen einen Herausforderer des amtierenden Rathauschefs Ernst Dieckmann von den Freien Wählern ins Rennen. Zudem haben sie mit der ÖDP und den Unabhängigen Bürgern Reichersbeuern (UBR) eine gemeinsame Liste mit zwölf Kandidaten aufgestellt.

Das Selbstvertrauen des jungen Ortsverbands ist groß. Sechs Sitze wollen die Grünen im 14-köpfigen Gemeinderat erobern, der derzeit nur mit Mitgliedern von CSU/Bürgerliche Wählerschaft und Freien Wählern besetzt ist. "Ein sportliches Ziel", wie Bürgermeisterkandidat Miederer freilich einräumt. Der 56-jährige Agraringenieur und Biobauer aus Mittelfranken, der Anfang der 1990er Jahre ins Oberland gezogen ist, war Geschäftsführer der Abokiste in Hofgut Letten. Später übernahm er den Ökokisten-Betrieb der Biobox in Benediktbeuern, die heute ihren Standort im Reichersbeurer Gewerbegebiet Reintal hat. Miederer hat sich bei der Landjugend, im Kreisjugendring und in der Kirche engagiert. "Ökologische und soziale Themen und deren konkrete Umsetzung waren für mich stets die Triebfeder privaten und beruflichen Handelns", sagt er. Miederer wolle sich für den Erhalt der dörflichen Struktur einsetzen. Voraussetzungen seien ein nachhaltiges, ökologisches Handeln und eine funktionierende Infrastruktur. So könne etwa über die Bauleitplanung energieeffiziente und kostengünstige Wohnungspolitik gesteuert werden. Verdichtung im Innenbereich sieht er als wirksames Mittel gegen eine Zersiedelung der Landschaft. Außerdem möchte Miederer das Radwegenetz und den Öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Heimischen Betrieben müssten Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten gegeben werden. "Leben und Arbeit vor Ort verkürzt Wege und schon Ressourcen", heißt es im Programm der gemeinsamen Liste.

Auf der Agenda steht auch die anstehende Dorferneuerung: Neugestaltung der Ortsmitte, Anbindung des Bahnhofs sowie die Schaffung von Treffpunkten für Jugendliche. Die Weichen für ausreichend Kinderbetreuungsplätze, Nahversorgung und ärztliche Versorgung müssten gestellt, Grundschule und Max-Rill-Schule langfristig gesichert werden. Reichersbeuern sei eine lebendige Gemeinde mit solidem finanziellen Fundament, sagt Miederer. "Akuten Handlungsbedarf" sieht er allerdings bei der Beteiligung von Frauen; derzeit sind im Reichersbeurer Gemeinderat nur drei vertreten. Auf dem Spitzenplatz der Gemeinschaftsliste ist mit der 37-jährigen Sozialpädagogin Ruth Kaufmann eine junge Frau gesetzt. Sie ist eine von insgesamt vier weiblichen Kandidatinnen.

Die gemeinsame Liste der Reichersbeurer Grünen/ÖDP/UBR: 1. Ruth Kaufmann, 37, Diplomsozialpädagogin. 2. Georg Miederer, 56, Agraringenieur und Biolandwirt 3. Matthias Helsen, 33, Produktmanager 4. Margit Engl, 40, Ehrenamtsbüro Senioren 5. Pauline Leopold, 35, Internatsmentorin 6. Roman Risken, 48, Physiker 7. Michaela Wagner, 40, Diplomverwaltungswirtin 8. Walter Diener, 59, Diplomingenieur 9. Jürgen Drostel, 49, Polizeiamtsrat 10. Marcus Rummel, 55, Kirchenmusiker 11. Franz-Georg Leopold-Pagel, 38, Fallmanager 12. Benedikt Traudisch, 28, Landschaftsgärtner

© SZ vom 28.02.2020 / schp

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