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Regenerative Zukunft:Neuer Versuch zum Klimaschutz

Die Stadt Geretsried gibt einen Energienutzungsplan in Auftrag

Von Felicitas Amler, Geretsried

Die Stadt Geretsried nimmt einen neuen Anlauf, um ihr selbst gesetztes Klimaschutzziel zu erreichen. Im Sinne der Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO), der sie angehört, will sie bis zum Jahr 2035 unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Vor einem Jahr ist dafür eine tragende Säule weggebrochen: Das Vorhaben, einen Großteil der Energie aus Geothermie zu gewinnen, wurde damals für gescheitert erklärt. Nun hat der Stadtrat beim Energiewende-Oberland-Kompetenzzentrum (EKO) für 27 000 Euro einen Energienutzungsplan in Auftrag gegeben. Geothermie und Wind werden darin nicht vorkommen.

EWO-Vorsitzender Stefan Drexlmeier skizzierte dem Stadtrat am Dienstag die Wege und Möglichkeiten des Energieplans. Nach eingehender Analyse sollen kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen erarbeitet werden. Dazu zählen laut seiner Präsentation Vorschläge für Energieeinsparung und Eigenstrom-Konzepte bei den kommunalen Liegenschaften; individuelle Förderprogramme für Unternehmen und Privathaushalte sowie "Best-Practice-Beispiele" aus dem Oberland. Wichtige Partner seien etwa die Stadtwerke Geretsried, Heizungsbauer, Elektrobetriebe, Zimmereien, Kaminkehrer sowie Ingenieur- und Architekturbüros. Auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Arthur Wolfseher, wo die Bürgerbeteiligung bleibe, sagte Drexlmeier, die gehöre zur "Akteursbeteiligung".

Die Stadt Geretsried beschäftigt eine Energieberaterin: Roswitha Foißner erklärte in ihrer Sitzungsvorlage, der Energienutzungsplan koordiniere die Energieverbräuche und Siedlungsstrukturen, die regionalen Energieressourcen und potenziellen Projekte. Außerdem würden aktuelle Zahlen erhoben.

Bei Verabschiedung ihrer Klimaziele hatte die Stadt ins Auge gefasst, den Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) bis 2020 um 40 Prozent zu senken. Dieser lag laut Rathaus im Jahr 2010 bei knapp 220 000 Tonnen. Allerdings habe die Stadt selbst nur drei Prozent dazu beigetragen; der Rest kam aus Gewerbe, Industrie, Privathaushalten und Verkehr.

Als der Stadtrat das Klimaschutzziel ausgab, rechnete er damit, dass über die Geothermie in Gelting ein Fernwärmenetz geschaffen werden könnte. Damit hätten laut Rathaussprecher Thomas Loibl die CO₂-Emissionen um etwa 41 000 Tonnen jährlich reduziert werden können. Doch die Bohrung der Enex GmbH in mehr als 4500 Metern Tiefe hatten zu ungenügenden Ergebnisse geführt. Drexlmeier sagte am Dienstag, dass die Geothermie nicht geklappt habe, sei "ein großer Misserfolg für die ganze Region".

Inzwischen errichtet Geretsried an der Adalbert-Stifter-Straße eine Hackschnitzel-Heizzentrale, von der die Schulen, Bücherei, Volkshochschule, Jugendzentrum sowie das künftige Hallenbad versorgt werden sollen.

© SZ vom 28.09.2018

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