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Reden wir über:Verzicht auf Privilegien

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Josef Hauser räumt seinen Bürgermeister-Stellplatz

Interview von Florian Zick, Dietramszell

Was macht man als Bürgermeister, wenn man neu ins Amt gewählt wurde? Vielleicht richtet man sich erst einmal häuslich in seinem Büro ein. Vielleicht bestellt man sich auch einen neuen Bürostuhl. Der alte war ohnehin schon vom Vorgänger stark durchgesessen - und ein bisschen gemütlich will man es bei all den unbequemen Entscheidungen schließlich auch haben, die als Rathaus-Chef zu treffen sind. Josef Hauser von den Freien Wählern allerdings ist den umgekehrten Weg gegangen. Der neue Bürgermeister von Dietramszell hat sich bei seinem Amtsantritt sein Leben zunächst einmal ein bisschen schwerer gemacht. Hauser hat einfach seinen Dienstparkplatz abgeschafft.

SZ: Herr Hauser, Sie haben sich damit als erste Amtshandlung eines Privilegs beraubt. Irgendwie ungewöhnlich.

Josef Hauser: Ja, bei uns gab es eigentlich direkt vorm Rathauseingang einen Parkplatz. Das stand "Bürgermeister/in" drauf, der war also reserviert für den amtierenden Rathaus-Chef. Dieses Schild habe ich abmontieren lassen.

Aber warum?

Mei, die Bürger brauchen einen Parkplatz, wenn sie zum Rathaus kommen - ich als Bürgermeister finde schon einen. Wir haben an der Tölzer Straße einen Parkplatz, da stehen auch die meisten Mitarbeiter aus dem Rathaus. Da stelle ich mich jetzt auch hin.

Und wenn da nichts mehr frei ist? Dann müssen Sie laufen.

Ja, aber nicht weit. Da findet sich immer was, Richtung Kloster oder am Kiesgrubenparkplatz. Und als Bürgermeister bin ich ja auch immer relativ früh dran.

Wer steht jetzt immer auf dem Bürgermeister-Parkplatz?

Das ist unterschiedlich. Das wechselt im Lauf des Tages - immer irgendwelche anderen Bürger. Aber soweit ich das beobachten konnte, ist der Platz meistens besetzt.

Wie kam Ihr Parkplatzverzicht in der Gemeinde an?

Im Rathaus intern fanden es die Leute nicht schlecht. Extern ist das noch gar nicht so richtig aufgefallen.

© SZ vom 21.08.2020

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