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Öffentlicher Nahverkehr:Schneller zum Unterricht

Schon vor sechs Jahren haben sich Annette Binder und Nina Wendt für zusätzliche Verbindungen nach Münsing eingesetzt. Nun fordern sie weitere.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Bürgerliste-Kandidatinnen fordern dichteren Bustakt nach Münsing

Im Winter ist es um 6.32 Uhr noch stockdunkel. Wer von Ambach mit dem öffentlichen Bus in eine der weiterführenden Schulen kommen möchte, muss trotzdem so früh an der Haltestelle sein. Nur so gibt es wenigstens noch die Chance, pünktlich zu Unterrichtsbeginn anzukommen. Diese Zustände sind für die Münsinger Gemeinderatskandidatinnen der Bürgerliste, Annette Binder und Nina Wendt, "unzumutbar". Daher fordern sie bessere öffentliche Busverbindungen. Aus ihrer Sicht hat der Tölzer Landkreis im Vergleich mit Starnberg Nachholbedarf.

Bereits vor sechs Jahren haben sich Wendt und Binder für bessere Nahverkehrsverbindungen eingesetzt. Auf ihre Initiative fahren seitdem Busse der Linie 373 zusätzlich um 13.10 Uhr sowie 15.22 Uhr von Wolfratshausen nach Münsing. Die Gemeinde hatte sie unterstützt. "Dass es besser geworden ist, bedeutet noch nicht, dass der Ausbau abgeschlossen ist", sagt Wendt.

Die Buslinie 373 des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds schließt Ambach an das öffentliche Netz an. Allerdings fährt an Sonn- und Feiertagen bislang überhaupt kein Bus zwischen Seeshaupt und Wolfratshausen. Samstags gibt es nur fünf Verbindungen. Unter der Woche fährt nur bis 18.42 Uhr ein Bus von Wolfratshausen nach Münsing. Mehr als eine Stunde müssen Fahrgäste warten, bis untertags der nächste kommt. "Das ist zu wenig", klagt Binder. Sie fordert, dass die Linie 373 künftig im Stundentakt verkehrt, um den Anschluss an die S-Bahn in Wolfratshausen und an die Linie 961 Richtung Starnberg zu verbessern. Um den Individualverkehr zu reduzieren, brauche es Verbindungen an Sonn- und Feiertagen sowie von Wolfratshausen nach Münsing bis 21 Uhr.

Bislang fahren viele Eltern ihre Kinder morgens lieber gleich zur Schule. Das könnte sich laut Wendt und Binder durch eine durchgehende Busverbindung bis zu den Gymnasien in Icking und im Kloster Schäftlarn ändern. So könnten sich die Schüler auf der Strecke der Linie 961 von Ammerland über Berg im Nachbarlandkreis Starnberg das Umsteigen sparen und wären wesentlich schneller am Ziel. Aus Sicht von Binder wären die Busse ausgelastet.

Denn ihren Recherchen nach besuchen 31 Schüler aus Münsing die Bildungseinrichtung in Kloster Schäftlarn. 27 Schüler aus der Kommune Berg sowie 35 Schüler aus Icking könnten die bessere Verbindung ebenfalls nutzen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr kämen so auch jeweils 19 Schüler des Rainer-Maria-Rilke Gymnasiums aus Münsing und Berg zum Unterricht. Ebenso könnten die Schüler des privaten Ickinger Günter-Stöhr-Gymnasiums mit der Linie fahren, sagt Binder. "Der Bedarf wäre da."

Zwar gibt es gegen 17 Uhr eine Nachmittagsverbindung von Kloster Schäftlarn bis nach Ammerland. Doch freitags bräuchten laut Binder gerade die Schäftlarner Schüler eine frühere Rückverbindung ohne Umsteigen bereits um 14 Uhr. Denn fast alle seien vom Nachmittagsunterricht befreit und brauchten derzeit um diese Zeit 80 Minuten bis nach Ammerland. "Die meisten werden bislang von ihren Eltern abgeholt."

Einfach wird das Vorhaben für bessere Nahverkehrsverbindungen nicht. Das ist Binder bewusst. Ausdrücklich lobt sie zwar den Landkreis Starnberg. In dessen Zuständigkeitsbereich seien die Buslinien erst kürzlich enger getaktet worden. Doch insgesamt seien wegen Schäftlarn mit dem Landratsamt München sogar drei Kreisbehörden involviert. "Das macht es kompliziert", sagt Binder.

© SZ vom 29.01.2020
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