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Nachlese:Antrag für Fraas-Schule

CSU-Stadtrat Alfred Fraas.

(Foto: Hartmut Pöstges)

CSU und Wolfratshauser Liste wollen Alternative prüfen lassen

Der Wolfratshauser Stadtrat steht angesichts der geplanten Erweiterung der Hammerschmiedschule vor einer außergewöhnlichen Situation. Nicht unbedingt wegen der Kostenexplosion bei dem Projekt - die Schätzung vom Januar mit 60 Millionen Euro liegt doppelt so hoch wie nach der Machbarkeitsstudie 2018. Ähnliches gibt es bei kommunalen Projekten immer wieder. Ungewöhnlich jedoch ist, dass es neben der in Auftrag gegebenen Planung des Architekturbüros "karlundp" auch ein alternativer Entwurf vorliegt, den CSU-Stadtrat Alfred Fraas ungefragt in sechs monatiger Fleißarbeit erstellt hat. Fraas kommt bei seinem Entwurf auf 30 Millionen Euro. Der gelernte Holzbau-Ingenieur und passionierte Tüftler hat mithilfe seines Sohnes eine 3-D-Präsentation erstellt (zu sehen unter dem Link https://youtu.be/2toyfg2M1CI), die durch eine Schule mit erweiterbarem Holzneubau, Glaspyramide und Turnhalle mit Pausenhof auf dem Dach führt. Fraas hatte sie im Sommer dem Stadtrat vorgestellt und dann publik gemacht, weil sie in der jüngsten Stadtratssitzung zum Thema Einsparungen nicht berücksichtigt wurde. Zur Abstimmung kam es dann nicht, weil Altbürgermeister Erich Brockard die Schulentwicklung angefochten hat, was noch juristisch beurteilt werden muss. Die Fraktionen der CSU und der Wolfratshauser Liste haben die Vertagung genutzt und nun einen Antrag gestellt, Fraas' Konzept prüfen zu lassen.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) und Schulentwicklungsreferent Fritz Meixner (SPD) hatten noch am Montag bei einem Pressetermin erklärt, Fraas' Planung stelle keine Alternative zum Entwurf der Architekten dar, weil sie unter anderem zu wenig Klassenräume für die geplante dreizügige, zentrale Mittelschule vorsehe. Auch müsse man, sollte man Fraas' Pläne weiterverfolgen, ganz von vorne anfangen. Die laufende Planung, die bereits 700 000 Euro gekostet habe, sei dann hinfällig, das Projekt werde verzögert.

Das will CSU-Fraktionschef Peter Plößl, der den Antrag am Dienstag eingereicht hat, so nicht stehen lassen. "Es gibt ein gut ausgearbeitetes Konzept, das bei wesentlich weniger Aufwand wesentlich mehr bietet", sagt er über Fraas' Pläne. "Bei einem Kostenunterschied in zweistelliger Millionenhöhe wäre es geradezu fahrlässig, dieses Konzept ungeprüft zu lassen und einfach abzulehnen", heißt es im Antrag. "Angesichts der durch die Pandemie zu erwartenden Einnahmerückgänge geht es nicht zuletzt auch um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit unserer Stadt."

© SZ vom 21.10.2020 / aip

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