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Nachhaltigkeit an Schulen:Fürs Leben lernen

Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit

Gesund, nachhaltig und regional ist das Menu der Mensa des Sonderpädagogischen Förderzentrums Bad Tölz, nicht nur in dieser Woche. Koch Julian Brand, Schuldirektor Klaus Koch und Martin Sappl vom Zwickerhof (von links) geben zum Beispiel Suppe aus frisch geernteten Kürbissen vom Schulacker aus.

(Foto: Manfred Neubauer)

Seit Jahren engagieren sich die Pädagogen des Tölzer Förderzentrums dafür, Kindern ein starkes Bewusstsein für Natur und Umwelt zu vermitteln. Das reicht vom Unterricht im Wald bis zum eigenen Gemüsegarten für die Mensa

"Frisch geerntet vom Schulacker", "selbstgepflückt" und "selbst gemacht": So gesund liest sich das Mittagsmenu des Sonderpädagogischen Förderzentrums Bad Tölz diese Woche. Unter dem Motto "#klima" waren die Schulen von Kultusminister Michael Piazolo (FW) aufgefordert, vom 14. bis 18. Oktober an der "Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit" teilzunehmen. Für das Förderzentrum Bad Tölz ist das keine Herausforderung.

Schon seit drei Jahren engagieren sich hier Schulleitung und Lehrer mit Herzblut für einen ökologisch-sozialen Lehrplan. Ausflüge zu regionalen Bio-Bauernhöfen, Praxisunterricht im Wald, auf Wiesen oder im schuleigenen Gemüsegarten ergänzen die Theorie aus dem Klassenzimmer mit praktischer naturnaher Alltagslehre. Und das trägt Früchte. Die Kinder haben ein merklich stärkeres Bewusstsein für Umwelt, Natur und Gesundheit entwickelt, ziehen mehrere Lehrkräfte Bilanz. Der Unterricht an der frischen Luft und die körperliche Betätigung macht den Kindern nicht nur Spaß, sondern unterstützt zudem die Stressreduktion. Vor allem bei Schülern mit Konzentrationsschwierigkeiten ist das sehr wichtig, betont Konrektor Kilian Spindler. Der selbstgestaltete Schulgarten, der im Juli dieses Jahres im Rahmen des Wettbewerbs "Natur und Nachhaltigkeit im Schulumfeld" von Umweltminister Thorsten Glauber (FW) mit dem Ersten Preis ausgezeichnet wurde, ist ein beispielhafter Lernort für ökologische Zusammenhänge und den Umgang mit natürlichen Ressourcen. Gemeinsam mit den Schülern und in Kooperation mit der Landschaftsgärtnerin Franzi Bauer und der Firma Kristallturm hat Spindler einen Teil des Schulhofs von Pflastersteinen befreit und dafür einen recycelbaren Kletterpark sowie einen Insekten- und Kräutergarten angelegt.

Ein weiteres grünes Klassenzimmer befindet sich auf dem Zwickerhof, wo die Schulackergruppe seit drei Jahren eine Parzelle bewirtschaftet. Ein Teil der Ernte findet sich diese Woche im Apfelstrudel oder als Ofenkartoffel auf dem Speiseplan der Schulkantine wieder. "Wir wollen signalisieren, dass eine gesunde und umweltbewusste Schulverpflegung möglich ist und den Schülern zeigen: Was nah ist, schmeckt gut", sagt Schuldirektor und Dritter Landrat Klaus Koch (Grüne).

Dass es möglich ist, hat die Schule diese Woche bewiesen, doch auch ihre Grenzen kennengelernt. Frische Zutaten zu verarbeiten und beispielsweise ein Apfelmus herzustellen, braucht Zeit, und Zeit ist Geld. Im Strategiepapier zur nachhaltigen Entwicklung hat die Bayerische Staatsregierung die Verwirklichung von Generationengerechtigkeit besonders betont. Die Weichen und das Engagement sind vielerorts gestellt, aber um die gesteckten Ziele zum Klimaschutz und Nachhaltigkeit umzusetzen, ist die Tatkraft von Seiten der Regierung gefragt. Koch fordert mehr finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung in Form von Förderprogrammen, um langfristig einen ökologisch und sozial nachhaltigen Schulbetrieb aufzubauen.

Weitermachen wird die Schule aber so oder so, denn das Erfolgsrezept ist das Engagement der Beteiligten. Schulleitung, Lehrer und Sponsoren stehen persönlich hinter den Themen und setzen sich dafür ein, weshalb es auch funktioniert. Persönliches Interesse und Motivation ist nicht nur sichtlich erkennbar, sondern auch ansteckend. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Kinder plötzlich an Haus- und Gartenarbeit Spaß zu haben scheinen.

An diesem Donnerstag setzten die Schüler des Förderzentrums gemeinsam mit Schülern aus weiteren Schulen der Umgebung ein lautstarkes Abschlussstatement mit ihrem selbstkomponierten Lied:"Plastik? Nein, vielen Dank!" unter Leitung der Studienrätinnen Yvonne Schneider und Judith Stehr im Schulhof des Schulzentrums (10 Uhr).