Nach Protesten:Münsing stoppt Mobilfunkmast

Nach Protesten: Nur etwa 150 Meter vom "Doasahof" bei Holzhausen will die Telekom einen etwa 40 Meter hohen Mobilfunkmasten mitten auf die freien Wiesen stellen.

Nur etwa 150 Meter vom "Doasahof" bei Holzhausen will die Telekom einen etwa 40 Meter hohen Mobilfunkmasten mitten auf die freien Wiesen stellen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Gemeinderat lehnt eine Anlage bei Holzhausen ab und lässt Alternativen suchen

Von Benjamin Engel, Münsing

In der Kontroverse um den Mobilfunkmast bei Holzhausen ist der Gemeinderat hart geblieben. Einstimmig hat das Gremium den Bauantrag für die von der Telekom geplante Anlage abgelehnt und zurückgestellt. Die Kommune will jetzt einen Teilflächennutzungsplan erarbeiten. Damit sollen orts- und landschaftsverträglichere Standorte festgesetzt werden können. "Es geht um die geringstmögliche Belastung und um die Planungshoheit, die sich die Gemeinde nicht nehmen lässt", stellte Münsings Bürgermeister Michael Grasl (FW) klar.

Seit Jahresbeginn hat sich gegen das geplante Vorhaben der Telekom breiter Widerstand formiert. Geschürt hat dies die Bürgerinitiative "Kein Mobilfunkmast in Holzhausen". Die Initiatoren hatten weit mehr als 1000 Unterschriften gesammelt. Denn die 40 Meter hohe Stahlgitterkonstruktion ist östlich von Holzhausen und damit mitten auf den freien Wiesen zu Degerndorf geplant. Das Rundum-Panorama vom nur einen Kilometer entfernten und bei Ausflüglern beliebten Fürst Tegernberg wäre massiv gestört. Ebenso fürchtet die Bürgerinitiative die negative Auswirkung der Strahlung auf Mensch und Tier.

Kritisch äußerten sich Ursula Scriba (Bürgerliste) und Ernst Ramerth (Wählergruppe Holzhausen). Er sei guter Hoffnung, dass entweder gar kein geeigneter oder ein akzeptablerer Mobilfunkstandort gefunden werde, sagte der Diplom-Ingenieur. "Mir liegt sehr viel daran, dass wir die Landschaft nicht verschandeln und die Bürger schützen." Als "kein Freund von Mobilfunkmasten" bekannte sich Thomas Schurz (CSU). Er mahnte aber auch, dass sich eine Anlage im Gebiet um Holzhausen wohl nicht grundsätzlich vermeiden lasse. "Irgendwann werden wir keine Chance mehr haben", sagte der Zimmerermeister.

Im Umkreis von Holzhausen lässt die Kommune derzeit Konzentrationsflächen für den Mobilfunk untersuchen. Das überprüfte Gebiet umfasst Atten- und Reichenkam. Es reicht im Osten an Anger heran. Im Süden kommt es Oberambach nahe. Dafür hat die Verwaltung das Büro Funktechanalyse beauftragt. Es soll laut Grasl auch bereits geeignet erscheinende Flächen für Alternativstandorte gefunden haben.

Der Telekom wirft die Gemeinde vor, im festgeschriebenen Dialogverfahren nicht ordnungsgemäß gehandelt zu haben. Per Mail hatte das Telekommunikationsunternehmen im Juli 2018 die Rathausverwaltung informiert, rund um Holzhausen nach einem Mobilfunkstandort zu suchen. Dafür hatte die Telekom einen Suchkreis benannt. Im Sommer des Vorjahres sah sich der Gemeinderat außerstande, einen geeigneten Standortvorschlag zu machen. Einen Masten sah das Gremium wegen des Landschafts- und Ortsbilds kritisch.

Der jetzt debattierte Standort liegt allerdings etwa 300 Meter außerhalb des Suchkreises. Für das freie Feld, auf dem die Anlage stehen soll, hat ein privater Grundeigentümer einen Pachtvertrag mit einer Tochtergesellschaft der Telekom geschlossen. Das hatte im beschaulichen Holzhausen mit der Pfarrkirche am Hügel und dem Bergpanorama unweit des Starnberger Sees Unmut hervorgerufen.

Inzwischen hat die Kommune die Haltung der kritischen Bürgerinitiative übernommen. In der Diskussion machte Bürgermeister Grasl deutlich, dass das betroffene Gebiet landschaftlich sensibel sei. Es gebe Aussichtspunkte, Höhen und Senken. Die Gemeinde wolle den jetzigen Mobilfunkstandort verhindern. Ob sie es könne, werde sich herausstellen. Ihre Chancen könne die Kommune aber nutzen. Falls das Tölzer Landratsamt die Anlage gegen deren Willen genehmige, könne die Kommune auch klagen.

© SZ vom 12.09.2019
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