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Münsinger Politik:Ein großer Saal für Jahrzehnte

Der Münsinger Gemeinderat hält an den bisherigen Planungen für das Bürgerhaus fest

Von Benjamin Engel, Münsing

Der Veranstaltungssaal im neuen Münsinger Bürgerhaus wird so groß werden wie bislang geplant. Der Gemeinderat hat am Dienstag den Antrag Ernst Grünwalds (Wählergruppe Ammerland) abgelehnt, die Kapazität auf maximal 200 Personen zu reduzieren und damit zu halbieren. Der frühere Dritte Bürgermeister und die Grünen hatten vor allem vor den finanziellen Belastungen des Großprojekts gewarnt. Sie befürchteten, dass damit Geld für weitere wichtige Vorhaben fehlen könne. Doch die Mehrheit sprach sich dafür aus, das jetzige Planungskonzept weiterzuverfolgen. "Jetzt etwas zu kürzen, ist der falsche Weg", sagte Thomas Schurz (CSU). Die Gemeinde könne etwas schaffen, was für die nächsten 30 Jahre Bestand habe.

Im Bürgerhaus soll die Verwaltung einziehen und ein Veranstaltungssaal im Erdgeschoss entstehen. Für Besucher sind 350 bis 400 Plätze vorgesehen. Mit diesem Entwurf hat sich das Münchner Büro Peck Daam Architekten in einem Wettbewerb durchgesetzt. Von möglichen Kosten in Höhe von 18 Millionen wird für den Bau im nördlichen Pallaufhof-Areal gegenüber der Pfarrkirche gesprochen. In einer Klausur Anfang Juni hat sich der Gemeinderat mehrheitlich für das jetzige Planungskonzept ausgesprochen. Der Ortsverband der Grünen hatte Bedenken formuliert.

Architekturwettbewerb Bürgerhaus Münsing

So sieht der Siegerentwurf für das neue Bürgerhaus mit dem Saal im Süden des lang gestreckten Baus aus.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Kritik richtet sich gegen die Dimensionen des Saals im Wohngebiet und die hohen Kosten. Im Ortszentrum einen so großen Raum zu errichten, sei wegen der Lärmbelästigung schwierig, argumentierte Christine Mair (Grüne). Es sei wichtig, dass für den Umbau der Grundschule zu einer Ganztagseinrichtung oder eine neue Halle für den Sportverein genügend Geld übrig bleibe. "Ich war auch für den großen Saal", erklärte Mair. In der jetzigen Dimension werde viel Personal gebunden.

Ein vollständig erarbeitetes Nutzungskonzept fehlt noch für den Saal. Bis dies vorliege, dürfe die Gemeinde nicht weitermachen, warnte Matthias Richter-Turtur (Grüne). "Wir können doch nicht über 20 Millionen Euro planen und loslegen, ohne dass wir bisher wissen, was wir wollen." Ernst Grünwald hatten die kolportierten Kosten von zwölf Millionen Euro nach der Vorplanung und jüngst sogar 18 bis 20 Millionen Euro für das Bürgerhaus aufgeschreckt. Mit dieser Preissteigerung begründete er seinen Antrag, die Saalgröße zu reduzieren. Als Treffpunkt für das Ostufer des Starnberger Sees, etwa für Hochzeiten, sei der Standort in Münsings Zentrum der falsche Platz.

Gemeinderat Ernst Grünwald hatte aus Kostengründen für einen kleineren Saal argumentiert.

(Foto: Harry Wolfasbauer)

Soll das Bürgerhaus ein kulturelles Zentrum für den halben Starnberger See mit vielen Festivitäten werden? Dagegen verwahrte sich Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler). "Gemeint ist, sich mit den Nachbargemeinden zusammenzutun", sagte er. Eurasburg etwa habe keinen solchen Saal. Die Kommune werde keine Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern zulassen. "Es wird keine Partyhalle werden." Grasl sprach von Konzert- und Eventveranstaltern, die Interesse formuliert hätten. Münsing habe in den jüngsten Jahren zehn Millionen Euro in Hochbaumaßnahmen investieren, ohne den Etat zu stark zu belasten, sagte Grasl. "Das Potenzial ist da."

An Großprojekte wie das Gemeinde- und das Sportzentrum erinnerte Kulturreferent Georg Sebald (Wählergruppe Ammerland). Daraus sei Münsing immer stark hervorgegangen. Viele Vereine seien für einen großen Saal. Von einem Entwurf, der sehr gut angekommen sei, sprach Ursula Scriba (Bürgerliste). Finanziell sei die Kommune nach Aussage des Kämmerers in der Lage, ihre Projekte bis hin zur Sporthalle umzusetzen.

© SZ vom 02.07.2020

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