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Münsinger Kanalnetz:Mit "Kameras auf Rädern" auf Entdeckungstour

Ferngesteuerte Präzisionsgeräte liefern Aufnahmen, um Schäden in der Münsinger Regenwasserkanalisation zu erfassen

Ziemlich eng sind die Sammelkanäle für Niederschlagswasser im Münsinger Netz. Das Wasser fließt durch Rohre mit Durchmessern von lediglich 15 bis 50 Zentimetern ab. Die Anschlussleitungen zu den Häusern haben nur einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern. Wo kein Mensch mehr vorankommt, erleichtert heutzutage moderne Technik den Arbeitern, die Kanäle auf Schäden zu überprüfen. Sie können sich einen Überblick verschaffen, ohne den Boden wie früher mühsam aufgraben zu müssen. "Von Kameras auf Rädern" spricht Zoran Savic vom Töginger Unternehmen Kanal Oberreiter. Die kleinen Geräte liefern die Aufnahmen, mit deren Hilfe er und sein Team die Schäden im Münsinger Niederschlagswassernetz noch voraussichtlich bis Ende des Jahres dokumentieren.

Damit hat der Abwasserverband Starnberger See, dessen Mitgliedskommune Münsing ist, das Kanalbauunternehmen beauftragt. Seit Mitte März ist dort bereits ein Drei-Mann-Team mit einem Inspektions- und Spülfahrzeug unterwegs. Noch voraussichtlich bis Ende des Jahres werden sie brauchen, um das Kanalnetz für Niederschlagswasser vollständig zu untersuchen. "Das dauert so lang, weil das Kanalnetz so groß ist und der Kanalverlauf teilweise unbekannt ist", sagt Zoran Savic vom Unternehmen Kanal Oberreiter.

Um die 90 Zentimeter lang ist das Kameragerät, das in Münsing Aufnahmen macht. Je nach Rohrdimension können daran laut Savic Reifen von 15 bis 120 Millimeter Durchmesser montiert werden. Ein Helfer setzt das Miniaturfahrzeug in den zu untersuchenden Kanal ein. Über ein Kabel ist das Gerät mit der Computertechnik im Inspektionsfahrzeug verbunden. Am Bildschirm kann ein Kollege die Schäden sehen und erfassen. Genauso steuert der Mitarbeiter die mit einem Kabel verbundene, satellitengestützte Kamera fern. Zum Einsatz kommt laut Savic auch eine Schiebekamera für kürzere Streckenabschnitte. Das geht nur in kleinen Schritten voran. "Wir können vier bis sechs Meter pro Minute aufnehmen", schildert Savic.

Die Arbeiten erschwert, dass der Verlauf der Leitungen im Untergrund teilweise unbekannt ist. Manche Schächte sind beispielsweise verdeckt. Detailumfassende Aufzeichnungen der Münsing Niederschlagswasserkanalisation fehlen laut Savic bislang. Dann arbeitet die Firma Kanal Oberreiter mit einem Ortungsgerät.

Wie Christoph Knobloch vom Abwasserverband Starnberger See erläutert, handele es sich um eine Ersterfassung. Heutigen Anforderungen genügende Daten lägen nicht vor. Mit den aktuellen Aufnahmen erhalte der Verband einen aktuellen Bestandsplan für das Niederschlagswassernetz im Münsinger Gemeindegebiet. "Das hilft dem Abwasserverband den Unterhalts-, Ausbau- und Erneuerungsbedarf zu erkennen und Projekte zu planen", sagt er. In den übrigen Mitgliedskommunen - bis auf Seeshaupt, wo der Verband kein Netz für Niederschlagswasser unterhalte - seien Untersuchungen bereits in den vergangenen Jahren abgeschlossen worden. In Münsing sei das Hauptkanalnetz für das Niederschlagswasser etwa 18 Kilometer lang. Zusätzlich überprüfe das Unternehmen Kanal Oberreiter in Münsing die Leitungen bis zum Hausanschlusskontrollschacht, dem ersten Schacht auf privaten Grundstücken.

Bevor die Arbeiter mit Hilfe der Kameras Aufnahmen machen, reinigen sie die Leitungen. In den Rohren setzen sich im Laufe der Jahre Kies und weitere Einlagerungen ab. Daher wird das Netz erst gespült und dann per Kamera untersucht. Damit sehen die Arbeiter auch eingewachsene Wurzeln. Um diese zu entfernen, bräuchte es später einen Sanierungsroboter, sagt Savic.

© SZ vom 03.06.2020

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