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Münsinger Bürgerversammlung:Trotz Pandemie investieren

Bürgermeister Grasl spricht wider das Sparen

Von Benjamin Engel, Münsing

Wie sehr die Pandemie den Alltag prägt, zeigt sich schon an kleinen Details: Noch bevor die diesjährige Bürgerversammlung in Münsing begonnen hat, steht eine Rathaus-Mitarbeiterin vor dem Eingang zum Gemeindesaal parat. Sie sprüht den Besuchern am Dienstagabend Desinfektionsmittel auf die Hand, bevor sich jeder in eine Namensliste einträgt. So planbar wie die Hygienemaßnahmen wird es in kommenden Jahren aber insbesondere finanziell für keine Kommune bleiben. Trotzdem mahnte Landrat Josef Niedermaier (FW) die öffentliche Hand, jetzt keine Ausgaben zu kürzen. "Das Dümmste, was wir jetzt machen können, wäre, an Investitionen zu sparen", sagte er. Gerade die öffentliche Hand müsse Impulse für das Handwerk und die Wirtschaft setzen.

Diesen Appell griff Bürgermeister Michael Grasl (FW) auf. "Sollen wir wirklich als öffentliche Hand das Planen und Bauen einstellen", fragte er. Dies bezog er auch auf das geplante Bürgerhaus. "Es wäre kein gutes Signal, jetzt aufzuhören", sagt er. Ein Wettbewerbsergebnis existiere und das Vorhaben sei "stemmbar". Die derzeitige Baukostenschätzung liege bei 7,5 Millionen Euro für die Rathaus-Verwaltung, acht Millionen Euro für das Bürgerhaus samt Veranstaltungssaal sowie sechs Millionen für die Tiefgarage - alles Bruttobeträge.

Von geschätzten 3,6 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern vom erfolgten Abbruch des alten Pallaufhofs bis zum Rohbau sei derzeit auszugehen. Außerdem habe die Gemeinde mehr als elf Millionen Euro Rücklagen. Der Kämmerer erwarte in den drei Folgejahren jeweils eine freie Finanzspanne von zwei Millionen Euro. "Also hätten wir rechnerisch 17 Millionen Euro für das Bürgerhaus zur Verfügung", sagte Grasl. Die jährlichen Betriebskosten könnten erst dann berechnet werden, wenn das Vorhaben genehmigt und ausgeführt sei. Wann in eine neue, zweite Sporthalle investiert werden könne, die sich der örtliche Sportverein wünscht, sei derzeit noch nicht absehbar. Das hänge auch von der politischen Willensbildung ab.

Damit beantwortete der Bürgermeister die Anfrage des Grünen-Kreisrats Nikolaus Mair für diesen nicht zufriedenstellend. Dass sich der Bau der Sporthalle womöglich auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebe, sollte sich der Gemeinderat bewusst sein, mahnte er. Der Münsinger und frühere Oberbürgermeister Memmingens Johannes Bauer warb dafür, andere Projekte nicht gegen das Bürgerhaus auszuspielen. "Dieses Projekt braucht breite Unterstützung aus der Bürgerschaft."

Ein neuer Flächennutzungsplan wird aus Sicht Grasls zur Mitte der jetzigen sechsjährigen Amtsperiode des Gemeinderats verabschiedet werden. Wie sich die Kommune entwickle, sei die zentrale Frage. Er höre den Ruf nach neuen Gewerbeflächen und Bauland für Einheimische. Dafür müsse die Gemeinde aber erst die Möglichkeit bekommen, neue Flächen zu erwerben. Ohne über die Folgen für die Ortsentwicklung oder den Landschaftsschutz auszublenden, lasse sich über neue Straßen und Entlassungstrassen nicht diskutieren.

Das Fachbüro Modus Consult ist beauftragt, Optionen zur Verkehrsentlastung zu prüfen. Wegen der Baustelle auf der Kreisstraße nach Degerndorf und der Pandemie seien bislang verlässliche Zählungen unmöglich, sagte Grasl. Die Kommune bleibe aber dran. Ob die Staatsstraße nach Holzhausen von 2021 an saniert werden könne, stehe unter Finanzierungsvorbehalt. Zumindest in einem Teilabschnitt hält Grasl dagegen den Baubeginn des lange geplanten Ammerlander Hochwasserschutzes 2021 für möglich.

© SZ vom 08.10.2020
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