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Münsing:Seniorenstift reloaded

Erneute Kontroverse um Ambacher Projekt im Gemeinderat

Von Benjamin Engel, Münsing

Die Debatte über das geplante Seniorenwohnstift in Ambach hat den Gemeinderat wieder in die Vor-Corona-Zeit zurückgeführt. Der italienische Architekt Matteo Thun hatte im Jahr 2018 unter vier Büros den eingeschränkten Wettbewerb für das Projekt gewonnen. Damals entschied der Gemeinderat, mit diesem Entwurf für ein lang gestrecktes Gebäude und Holzbauweise in den oberen Stockwerken weiter zu planen. Als Basis für das vorhabenbezogene Bebauungsplanverfahren dienten Stellungnahmen und Kritik zum Vorhaben aus der Bevölkerung, womit sich das Gremium nun detaillierter befasst hat.

Die Diskussion legte bestehende Konfliktlinien offen. Insbesondere Grünen-Gemeinderat Matthias Richter-Turtur blieb bei seiner ablehnenden Haltung zum Projekt. "Wir hätten keine Notwendigkeit, das zu machen", sagte er. Zum wiederholten Mal verwies er darauf, dass die Kommune besser eine ebenso realisierbare Kliniknutzung vorantreiben solle. Damit könnten die leer stehenden Bestandsgebäude weitestgehend saniert und erhalten werden. Damit griff er die Kritik auf, der Thun-Entwurf verschandele den Blick auf Ambach vom Starnberger See aus. "Ich glaube schon, dass man das für das Ostufer als Fremdkörper bezeichnen kann", erklärte Richter-Turtur. Der idyllische Charakter Ambachs werde "verhässlicht".

Die vorgesehenen, lang gezogenen Gebäude sind aus Sicht der Rathausverwaltung aber durchaus typisch für ortsübliche, landwirtschaftliche Bauweisen. "Eine Verschandelung der Landschaft kann aus unserer Sicht nicht erkannt werden", sagte Bauamtsleiter Stephan Lanzinger. Das frühere Praxisgebäude am Pilotyweg werde sogar ersatzlos abgerissen. Das werte das Projekt naturräumlich auf. Das historische Waldschlösschen werde erhalten. So bleibe der historische Bezug in Verbindung mit einer zeitgemäßen Architektur bestehen. Auch etwa das Panoramahaus zu erhalten, hält Lanzinger nicht für sinnvoll. Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) wehrte sich gegen die These, dass es grundsätzlich besser sei, Altgebäude zu sanieren statt neu zu bauen. Der Bestand am Hang könne unter den heutigen Anforderungen an die Barrierefreiheit nicht ertüchtigt werden, argumentierte er.

Zum Schutz des Seeufers vor baulichen Fremdkörpern hat die Kommune einen Rahmenplan erlassen. Christine Mair (Grüne) griff die Kritik auf, dass die jetzigen Bauten dessen Festsetzungen im Vergleich mit den ortsüblichen Villen und Bauernhäusern widersprächen. Die Chance, dass die Gebäude zu diesen Proportionen passten, sei vertan. Dieser Sicht widersprach Bürgermeister Grasl. Beim früheren Wiedemann-Kursanatorium handele es sich um eine Sondersituation. Das sei mit dem Rahmenplan nicht vergleichbar.

Mair monierte auch die für das Bauvorhaben aus ihrer Sicht zu schmale Zufahrt über den Simetsbergweg. In den Voruntersuchungen sei es nur um weniger als acht Meter lange Fahrzeuge gegangen. Bürgermeister Grasl entgegnete, dass dies im vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahren geklärt werde.

© SZ vom 18.06.2020

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