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Münsing:Aus Leidenschaft zur Notwendigkeit

Der Landkreis zeichnet Josef Leis für sein vielfältiges Engagement mit der Isar-Loisach-Medaille aus. Er spielt seit Jahrzehnten in der Musikkapelle, leitet den örtlichen Sportverein und ist im Gemeinderat aktiv

Als Finanzberater ist es Josef Leis gewohnt zu bewerten. Wer ihn verstehen will, muss sein politisches Engagement berücksichtigen. In Münsing zählt der 64-Jährige zu den erfahrensten Kommunalpolitikern. Seit fast zwanzig Jahren sitzt er für die Freie Wählergemeinschaft im Rat. Für ihn war es eine Notwendigkeit, politisch aktiv zu werden. Mitte der 90er- Jahre drohte nördlich von Münsing Kiesabbau auf einer Fläche von bis zu 60 Hektar. "Ich habe damals erkannt, dass man nur etwas erreichen kann, wenn man selbst in den verantwortlichen Gremien mitwirkt", sagt Leis. Hätten sich die Antragsteller mit ihren Plänen durchgesetzt, wäre das für Münsing katastrophal gewesen, ist er überzeugt. Wer Leis auf die Musik anspricht, erhält eine ebenso kurze wie prägnante Antwort: "Das ist meine Leidenschaft."

Und so greift Leis neben seinem kommunalpolitischen Engagement und der Arbeit für den Sportverein Münsing-Ammerland, den er seit rund zehn Jahren leitet, immer gerne zur Klarinette in der Musikkapelle Münsing - allerdings nur, falls seine Hilfe gebraucht wird. Schließlich wolle er keinem der Jungen seinen Platz wegnehmen, sagt er. Rund 50 Jahre spielt er sein Instrument schon in der Kapelle. Viele kenne er schon von Jugend an, sagt der gebürtige Münsinger. Einige der Musikerkollegen gehörten zu seinem engsten Freundeskreis.

Mit dem SV Münsing-Ammerland organisierte Josef Leis im Vorjahr ein internationales Jugendturnier mit Nachwuchsmannschaften aus Malaysia.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Leis stammt aus einer musikalischen Familie. Ein Instrument zu lernen, sei selbstverständlich gewesen, sagt er. Bereits mit acht Jahren begann Leis, Akkordeon zu spielen. Fünf Jahre später wechselte er zur Klarinette und wurde wenig später Mitglied der Musikkapelle Münsing. Bald engagierte er sich als Jugendausbilder und besuchte einen Dirigentenkurs, um ein Orchester leiten zu können. Er war Kassier und Schriftführer. Von 1980 bis 1994 war Leis Vorsitzender der Musikkapelle, davon 13 Jahre lang zudem zweiter Dirigent. Er organisierte sämtliche Veranstaltungen und Auftritte im Jahr.

Die Musikkapelle spielte in der höchsten Wertungsklasse und war mit ihrer Mischung aus traditionellen Stücken, Filmmusik und Jazz gefragt. So sehr, dass die Musiker von Mai bis Oktober fast an jedem Wochenende zu zwei Auftritten im Münchner Umland unterwegs waren. Die eigene Familie musste deshalb schon einmal zurückstecken. Als eines seiner Kinder auf die Welt kam, war er gerade mit der Kapelle auf dem Feuerwehrtag in Hannover.

Warum Leis dann 2006 auch noch Vorsitzender des SV Münsing-Ammerland geworden ist? Das beantwortet er klar: "Das habe ich aus Verbundenheit gemacht." Von Jugend an habe er in Münsing Fußball gespielt, sei stets am Sport interessiert gewesen sei. Ein weiterer Grund: 2002 wurde das neue Sportzentrum am Hartlweg eröffnet. Die Anlage kostete 6,5 Millionen Euro. Doch die Probleme hätten sich gehäuft, sagt Leis. Unter anderem seien die Rasenplätze nicht bespielbar gewesen. Er habe sich als Verbindungsglied zwischen Verein und Gemeinde einbringen wollen.

Josef Leis springt ein, wenn er gebraucht wird.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Leis besuchte sogar ein Seminar zur Rasenpflege, lernte, wie und wann das Grün gedüngt oder belüftet werden muss. Und in einem heißen Sommer wie dem vergangenen steht er schon einmal mitten in der Nacht um 3.30 Uhr, fährt von seinem Haus in Degerndorf zum Sportzentrum und dreht die Rasensprenger an. Der Rest besteht aus Organisieren. Nicht wenig. Allein ein Trainer sei immer zu suchen bei einem Verein mit 900 Mitgliedern und allein 13 Fußballjugendmannschaften mit Jungen- und Mädchenteams. Besonders freut Leis, dass die Skiabteilung derzeit so gefragt ist. Regelmäßig machten 70 bis 80 Kinder an den Vereins-Skikursen mit, statt zehn wie lange zuvor.

Dass alles so gut funktionieren kann, liegt auch an den vielen ehrenamtlichen Unterstützern im Verein und an seiner Frau, sagt Leis. "Ohne sie könnte ich das gar nicht bewältigen."