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Mobilität auf dem Land:Neue Fakten schaffen Klarheit

Reichersbeurer Entlastungsstraße kommt vorerst nicht

Von Sandra Freudenberg, Reichersbeuern

Drei Legislaturperioden lang suchte die Gemeinde Reichersbeuern nach einer Lösung für eine Verkehrs-Entlastung der Bahnhofstraße. Bürgermeister Ernst Dieckmann (FWG) und der externe Verkehrsplanungs-Experte Reiner Neumann erklärten in einer Bürgerversammlung am Donnerstag ihre Entscheidung gegen den Neubau einer Entlastungsstraße.

Der von der Gemeinde Ende 2019 hinzugezogene Verkehrsplanungs-Experte hatte binnen kurzer Zeit neue Fakten zusammengetragen, die er den Bürgern nun im gut gefüllten Saal des Altwirts vorstellte. Sein Fazit: "Ich sehe momentan keine Notwendigkeit für einen neuen Straßenbau."

Etwa 1000 bis 2000 Autos befahren laut Neumann die Bahnhofstraße täglich, was ihm zufolge "vergleichsweise wenig" sei. Der Verkehr sei "Anliegerverkehr" und daher sei kaum Verlagerungspotenzial auf eine neue Straße zu erwarten.

Bereits in der Gremiumssitzung im Januar hat Reiner Neumann die Reichersbeurer Gemeinderäte davon überzeugen können, dass der Neubau einer Straße nicht rechtssicher durchzuführen sei. Vielmehr könne es zu einem Rechtsstreit kommen, Planungssicherheit sei nicht gegeben. Sehr wohl sieht er jedoch Potenzial, die Bahnhofstraße durch Umbauten zu verbessern. Man könne "Autofahrer dazu bringen, deutlich langsamer zu fahren", sagte der Ingenieur. Derzeitige liegt das Durchschnittstempo auf der Bahnhofstraße bei 35 Stundenkilometern. Ein Autofahrer wurde mit 80 Stundenkilometern gemessen.

"Im Winter, wenn es dunkel ist am Morgen, fahren Eltern ihre Kinder zum Bahnhof, weil der abgesenkte Fußweg zu unsicher ist", sagte eine Reichersbeurerin am Donnerstag, die sich Verbesserungsvorschläge dazu von der Dorferneuerungswerkstatt wünscht. Während früher Straßen so geplant wurden, dass Autos möglichst ungebremst fahren, müssten heute Fußverkehr und Radfahrer weit mehr berücksichtigt werden.

Bürgermeister Dieckmann schilderte den Abwägungsprozess des Gemeinderates: "Der Straßenneubau würde finanziell sehr riskant werden. Zum einen waren die zähen Grunderwerbsverhandlungen mit einem Verkäufer sehr schwierig und ohne Ergebnis verlaufen. Der Preis dafür war aus unserer Sicht zu hoch. Hier würden wir also schon mal viel Geld für das nötige Grundstück hinlegen müssen." Zum anderen fehle nun auch noch die Rechtssicherheit, was zusammen genommen ein zu hohes Risiko darstelle. Alt-Bürgermeister Hans Harrer und der Zweite Bürgermeister Andreas Melf (CSU) lobten die Entscheidung.

Die Gemeinde Reichersbeuern hatte bereits für den Bau einer neuen Entlastungsstraße ein kleineres Grundstück erworben, für ein weiteres besteht ein Vor-Vertrag. Dieser könne laut Dieckmann allerdings rückgängig gemacht werden.

Mit dieser klaren Entscheidung ist der Weg frei für neue Ideen in Sachen Mobilität in Reichersbeuern.

© SZ vom 08.02.2020

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