Mitten in Geretried Pappe statt pecunia

Von Schecks, die kein seriöses Kreditinstitut einlösen würde

Kolumne von Felicitas Amler

Der Lateiner redet sich leicht: Non olet. Ja, von wegen: Geld stinkt nicht? Das scheinen die meisten, die welches zu vergeben haben, ganz und gar nicht zu glauben. Jedenfalls mögen sie's nicht in Münze und Schein ausreichen. Wollen sich wohl die Finger nicht schmutzig machen. Sparkasse oder Sportverein, großes Unternehmen oder kleine Gewerkschaft - sobald es gilt, etwas materiell anzuerkennen, zu fördern und zu unterstützen, werden diese absurden tragbaren Geldersatzpappdeckelteile ausgehändigt. Überdimensionale Schecks, die kein seriöses Kreditinstitut einlösen würde. Und die mit Verlaub so was von hässlich sind! Zeitungsfotografen und ihre schreibenden Kolleginnen ziehen die Schultern ein, sobald wieder jemand mit einem Scheckersatzkarton anrückt. Der Akt der Übergabe muss ja nun mal dokumentiert werden, aber so was haut jede ansonsten noch so schön gestaltete Zeitungsseite kaputt. Kein Mensch sieht mit einem derartig grotesken Gegenstand in den Händen gut aus, da mag er oder sie noch so sehr lächeln. Und die würdigste Feier hat plötzlich so einen merkwürdigen Hauch von Es-könnte-doch-stinken.

In Geretsried ist am Donnerstag stil- und stimmungsvoll der Bürgerpreis der Stadt verliehen worden. Wohl gesetzte Worte der Anerkennung, ein mit Kunstsinn ausgewählter Preis in Gestalt einer modernen Plastik. Alles sehr feierlich und getragen, auch ein wenig heiter. Und dann das! Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert. Nicht schlecht. Der Preisträger weiß den Betrag auch gleich großzügig und bürgersinnig für einen guten Zweck zu stiften. Muss die Summe aber vorher noch symbolisch in die Hand nehmen. Rechteckig, rosa-weiß, handbeschriftet und - feierrahmensprengend. Freilich garantiert geruchsfrei.