Mitten in der Region:Und täglich grüßt das Murmeltier

Lesezeit: 1 min

Wieder füllen dieselben Mails das Redaktionspostfach, die wie schon zig-mal zuvor vom Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens künden...

Von ALEXANDER KAPPEN

Also ein bisschen fühlt man sich ja schon wie der zynische, arrogante und stets übel gelaunte Wettermann Phil Connors im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", der immer wieder am Morgen des 2. Februar in der Kleinstadt Punxsutawney in Pennsylvania aufwacht, aus dem Radiowecker den Song "I Got You Babe" von Sonny and Cher hört und ein und denselben Tag erlebt. So lange, bis der Zyniker zu einem besseren Menschen wird und aus der Endlosschleife entlassen wird.

Hier im Landkreis gibt es zwar weder eine Kleinstadt namens Punxsutawney noch erleben wir hier permanent den 2. Februar - und dennoch grüßt irgendwie täglich das Murmeltier. Oder zumindest alle paar Monate, wenn nach kurzen Phasen der Corona-Entspannung immer wieder dieselben Mails das Redaktionspostfach füllen und wie schon zig-mal zuvor vom Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens künden. Die Jahreshauptversammlung X wird wegen der steigenden Infektionszahlen verschoben, die Weihnachtsfeier Y gleich ganz abgesagt und die Veranstaltung Z, auch das ein Pandemie-Klassiker, ins Internet verlegt. Das führt so weit, dass es nun sogar schon virtuelle Adventsmärkte in der Region gibt. Kommen wir nicht zum Glühwein, dann kommt der Glühwein eben zu uns. Na gut, eigentlich kommt nur das Geld, das man am Stand irgendeines Vereins für einen Glühwein ausgegeben hätte, als Spende auf dessen Konto. Den Glühwein muss man sich zu der guten Tat entweder dazu denken oder einfach selbst kaufen und daheim trinken, während man den Spenden-Button der Online-Überweisung drückt.

Und insgeheim hofft man, dass das Schicksal uns dadurch wie dem geläuterten Wettermann Phil Connors abnimmt, bessere Menschen geworden zu sein, um uns dann aus dieser Endlos-Coronaschleife zu entlassen. Sonst folgt nach dieser vierten Welle, die momentan ja vor allem den deutschsprachigen Raum so hart trifft, am Ende noch eine fünfte und sechste und . . . und. . . und. . . Dann heißt es alle paar Monate nicht "I Got You Babe", sondern: Neue Deutsche Welle.

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