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Mitten in der Region:Herbst lässt sein graues Band ...

Das bisschen Grün und die paar Blümchen derzeit täuschen wohl kaum darüber hinweg, dass, man kann es nicht anders formulieren, diese Jahreszeit ganz offenbar massiv Arbeitsverweigerung betreibt...

Glosse von WIELAND BÖGEL

So einiges klappt ja derzeit nicht wie es sollte - und nein: Es geht nun in der Folge weder um allgemeine Probleme der Pandemiebekämpfung, stockende Impfstoffverteilung, ausbleibende Hilfen für Wirtschaft und Wirtschaften oder den endlosen Kultur-Shutdown. Die Rede ist vom Frühling, der seit mittlerweile mehr als einem Monat seinen Aufgaben mehr als lässlich nachkommt. Das bisschen Grün und die paar Blümchen täuschen wohl kaum darüber hinweg, dass, man kann es nicht anders formulieren, diese Jahreszeit ganz offenbar massiv Arbeitsverweigerung betreibt.

Statt blauem Band gibt es graue Wolken, statt Veilchen eisigen Regen und wer in den vergangenen Wochen auf der Suche nach den süßen, wohlbekannten Düften die Nase in den Wind reckte, konnte oftmals den Schnee riechen, der dann auch zuverlässig die wenigen zaghaften grünen und bunten Gewächse unter sich begrub. An den überschaubaren Gelegenheiten, bei denen sich die Sonne doch mal zeigt, reicht es dann temperaturmäßig höchstens für einen milden Tag im Winter - oder im Herbst. Denn an diese Jahreszeit fühlt man sich derzeit viel eher erinnert, als an jene, die einem der Kalender weiszumachen versucht. Ebenfalls erinnert fühlt man sich an den Filmklassiker Ritter der Kokosnuss, wo es an einer Stelle um den Wechsel der Jahreszeiten geht: "... und dann vergaß der Winter Frühling und Sommer und ging direkt in den Herbst über."

Was, bei nochmaligem Nachdenken, vielleicht gar keine so schlechte Sache wäre. Immerhin würde ein Jahr, das sich anschickt, genauso zu werden, wie das zuvor - nur viel öder, weil man ja schon weiß was passiert, beziehungsweise eben nicht - schneller vorbeigehen. Und vielleicht hält ja 2022 was für 2021 versprochen wurde aber doch mal wieder nicht möglich ist. Unten auf dem Parkplatz vor dem Haus sind mittlerweile zwei Männer mit Laubbläsern fleißig bei der Arbeit und drinnen könnte man langsam die Weihnachtsdekoration wieder hervorholen, es wird Zeit ...

© SZ vom 06.05.2021
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