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Mitten in der Jachenau:Schicksalhafte Begegnung

Coronabedingt soll man sich momentan gar nicht treffen - und tut es dann doch zufällig an einem absolut unwahrscheinlichen Ort

Kolumne von Benjamin Engel

Die Comedian Harmonists haben den Schlager "Ein Freund, ein guter Freund" populär gemacht. Dass ein guter Freund das Beste sei, was es gibt auf der Welt, fällt wohl den meisten sofort ein - dank leicht eingängigem Kehrreim und Ohrwurmmelodie. Etwas komplizierter und doch treffend formulierte Epikur mehr als zwei Jahrtausende davor. Für den griechischen Philosophen war Freundschaft ein schicksalhaft gewährtes Geschenk. Er schrieb, es gebe kein größeres Gut und keine größere Freude als die Freundschaft.

Sie zu pflegen, ist allerdings in Pandemie-Zeiten nicht leicht. Wer, wann, warum, wo jemanden treffen kann und darf - möglichst wenig nach dem Willen der bayerischen Staatsregierung -, ist fast so schwer zu verstehen wie eine Steuererklärung. Das lässt schon das Wortungetüm der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung anklingen. Vom Abstandsgebot, der allgemeinen Ausgangsbeschränkung bis zu speziellen Besuchs- und Schutzregelungen ist dort bürokratisch minutiös festgehalten, was zu beachten ist. Hängen bleibt am meisten, dass man Menschen am besten nur noch in absolut dringenden Fällen treffen soll.

Manchmal scheinen im Leben aber schicksalhafte Mächte genau das herbeizuführen, was man vermeiden sollte. Zur Arbeit geht es für eine Reportage bis in den südlichsten Zipfel des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Über Yaks - aus Zentralasien stammende Hausrinder - gilt es zu berichten. Man fährt auf wenige, abseits liegende Häuser in der abgeschiedenen Jachenau zu. Im Auto mit Münchner Kennzeichen wird man nicht gerade begeistert aufgenommen. Auf die Frage, wo man parken könne, sagt der erste Anwohner nur streng: "Da sicher nicht." Als klargestellt ist, dass man Journalist und als solcher nur beruflich da sei, folgt ein Nicken und eine Armbewegung zum Haus ganz rechts. Genauso schnell ändert sich der Tonfall.

Als man aus dem Auto steigt und auf zwei Frauen im Gespräch zugeht, fällt plötzlich der eigene Vorname. Eine der beiden ist nämlich die Inhaberin eines Bades in Leoni am Starnberger See, in das der Journalist im Sommer gerne nach der Arbeit zum Schwimmen geht. Im Winter trifft man sich eher nie. Doch die Badbetreiberin weilt im Wochenendhaus der Familie in der Jachenau. Manchmal ist die Welt eben wirklich klein.

© SZ vom 05.01.2021
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