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Mitten im Home-Office:Auf den Kater ist Verlass

Der Mensch, der unter akutem Mangel an Sozialkontakten leidet, freut sich über einen kleinen Besucher, der nicht unter die Kontaktbeschränkungen fällt...

Glosse von PETRA SCHNIRCH

Home-Office ist für die Katz. Die zumindest genießt es, wenn Herrchen oder Frauchen - oder wie in diesem Fall ersatzweise die Nachbarin - regelmäßig zu Hause sind. Am frühen Vormittag taucht das grau-weiße Gesichtchen jeden Tag zuverlässig an der Terrassentür auf. Ist der Mensch zu nachlässig und bemerkt seinen treuen Begleiter durch den Arbeitstag nicht schnell genug, klopft es zunächst zaghaft und bald fordernder an die Scheibe. Denn der Korbstuhl inklusive weichem Kissen steht ja schon bereit.

Für beide Seiten ist es sozusagen ein Win-win-Geschäft. Der Kater rollt sich bei Schmuddelwetter gern auf seinem Stammplatz ein. Der Mensch, der unter akutem Mangel an Sozialkontakten leidet, den auch Videokonferenzen mit den Kollegen nicht wettmachen können, freut sich über den kleinen Besucher, der nicht unter die Kontaktbeschränkungen fällt. Er schnurrt entspannt vor sich hin, räkelt sich zwischendurch wohlig und begleitet von einem innigen Grunzen, ab und zu schläft er tief ein, ohne das rote, vierbeinige Nachbarsungeheuer fürchten zu müssen.

Auch durch gelegentliche Corona-Sinnkrisen begleitet er seinen menschlichen Partner zuverlässig, indem er mit müdem Blick zuhört und dabei irgendwie tröstend-verständnisvoll wirkt. Plattitüden wie "das wird schon wieder" oder "da müssen wir jetzt halt durch" bleiben seinem Gegenüber erspart. Jeden Abend, wenn das Laptop zugeklappt ist, marschiert der Kater wieder davon, manchmal auch schon früher. Zum Feierabend geht es aufs heimische Sofa. Nur bei schönem Wetter macht sich der Gast rar und kommt tagsüber allenfalls auf ein kurzes Nickerchen vorbei. Dafür wiederum hat die menschliche Freundin Verständnis, wenngleich sie, zugegeben, dann etwas neidisch ist.

An guten Manieren lässt es der kleine Kollege nicht fehlen. Unter der Bettdecke verkrümelt er sich nur, wenn man wieder mal vergessen hat, die Schlafzimmertür rechtzeitig zuzumachen. Auf dem Schoß sitzt er grundsätzlich nicht gern, an Schreibtisch und Laptop zeigt er zum Glück gar kein Interesse. Nur, warum hängen da plötzlich kurze, weiße Haare auf der Tastatur?

© SZ vom 15.04.2021
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