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Mit Mobile Homes:Obdach für Familien

Asylunterkunft am Kranzer

Für die Familien-Notunterkunft will Bad Tölz fünf Mobilhäuser vom Flüchtlingsdorf "Am Kranzer" bei Reichersbeuern erwerben.

(Foto: Manfred Neubauer)

Bad Tölz will Notunterkunft an der Kohlstattstraße errichten

In Bad Tölz gibt es immer mehr Familien oder Alleinerziehende, die sich die Miete nicht mehr leisten können und ohne Obdach dastehen. Seit 2017 habe sich die Lage weiter verschärft, teilte die stellvertretende Stadtkämmerin Silke Furmanek am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats mit. Als Grund nannte sie den völlig überhitzten Wohnungsmarkt in der Region. Hinzu komme noch, dass mittlerweile auch anerkannte Asylbewerberfamilien dringend ein Domizil suchen. Für Notfälle will die Stadt nun eine Unterkunft auf dem Gelände des ehemaligen Klubheims vom SC Rot-Weiß Bald Tölz an der Kohlstattstraße errichten. Dort sollen fünf jener 40 Mobilhäuser stehen, die derzeit noch das Flüchtlingsdorf "Am Kranzer" bei Reichersbeuern bilden. Die Stadträte billigten dies einstimmig.

Schon vor zwei Jahren wollte die Stadt armen Familien eine vorübergehende Bleibe an der Stadtwaldstraße nahe des Friedhofs schaffen. Dagegen legte jedoch das Landratsamt sein Veto ein: Ein solches Projekt sei im Außenbereich baurechtlich nicht zulässig, hieß es. Ohnehin war der abgelegene Standort am Stadtrand unter den Stadträten umstritten. Einige monierten, dass er weit weg von Schulen und Einkaufsmöglichkeiten liege. Das sei "eher eine Notlösung als eine gute Lösung" gewesen, sagte Furmanek.

Das alte Klubheim des SC Rot-Weiß befindet sich hingegen fast im Zentrum von Bad Tölz. Das Areal habe die Stadt vor Kurzem vom Freistaat erworben, erklärte die stellvertretende Kämmerin. Es sei hochwasserfrei und eigne sich gut für eine Notunterkunft. Dazu soll der alte Teil des Vereinshauses mit Umkleiden, Duschen und Materiallager abgerissen werden. Der neuere Trakt mit dem ehemaligen Vereinsraum soll hingegen stehen bleiben. Er könne als Wasch- und Trockenraum dienen, sagte Furmanek. Und auch als Lager für Möbel, die von den künftigen Bewohnern der Notunterkunft mitgebracht werden. Die Stadt rechnet mit Gesamtkosten von rund 160 000 Euro.

Die containerartigen Heime sind nicht eben komfortabel. Das sollen sie auch nicht sein, wie Furmanek erklärte. Schließlich seien sie bloß eine Notunterkunft, keine dauerhafte Bleibe. Allerdings böten sie den Vorteil, dass obdachlose Familien oder Alleinerziehende mit Kindern nicht getrennt werden oder mit anderen Personen zusammenleben müssen. Dies ist zum Beispiel in zwei großen Wohnungen an der General-Patton-Straße der Fall, die von der Stadt in den vergangenen beiden Jahren als Notquartier genutzt wurden.

Geplant ist, dass die fünf Mobilhäuser acht Jahre lang an der Kohlstattstraße stehen bleiben. Dann läuft der Mietvertrag für die Asylunterkunft an der Anton-Hoefter-Straße auf der Flinthöhe aus, den die Stadt mit der Regierung von Oberbayern geschlossen hat. Dieses Gebäude, das die Kommune vor drei Jahren während der Flüchtlingskrise in Eigenregie errichtet hat, soll auch als Familien-Notunterkunft dienen.

Darauf pochte Stadtrat Anton Mayer (CSU). "Nur wenn wir das nach acht Jahren wieder beenden, dann sind auch die Anwohner an der Kohlstattstraße beruhigt, weil sie wissen, dass es nur eine Übergangslösung ist", sagte er. Seinem Antrag, diesen Zeitraum im Beschluss und nicht bloß im Protokoll festzuhalten, folgte allerdings bloß Martin Harrer (FWG). Zweiter Bürgergermeister Andreas Wiedemann (FWG), der die Sitzung leitete, lehnte einen solch dezidierten Schritt ab: "Wenn wir nach acht Jahren keinen Ersatz haben, müssen wir die Familien trotzdem unterbringen."

Der Fußballverein hat mit der Notunterkunft neben dem Sportplatz keinerlei Probleme. Dies hat Wiedemann nach eigenem Bekunden in Gesprächen mit den Klubverantwortlichen erfahren. Den Einwand von Willi Streicher (SPD), der den Einbau zweier Wohnungen im Klubheim forderte, um "etwas Festes" zu haben, wies Wiedemann zurück. Dies sei geprüft worden, käme aber wesentlich teurer, sagte er. "Wir müssen auch auf die Kosten schauen."