Mehrere Projekte sind in Planung Bad Tölz hat "noch einiges an Kapazitäten"

Soziale Aspekte hatte die Kreisstadt beim Bauen lange Zeit nicht im Fokus. Das hat sich in diesem Jahr geändert. Bürgermeister Josef Janker ist zuversichtlich und macht sich Gedanken über ergänzende Lösungen

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Der soziale Wohnungsbau stand in Bad Tölz lange nicht im Fokus der Stadtpolitik. Als die US-Armee in den Neunzigerjahren abrückte, kaufte die Stadt Wohnblocks an der General-Patton-Straße, wo früher amerikanische Soldaten mit ihren Familien gelebt hatten. Darin entstanden preisgünstige Quartiere für Tölzer, die nur ein geringes Einkommen haben. Das war's dann aber auch für mehr als zwei Jahrzehnte. Erst 2016 spielten Sozialwohnungen plötzlich wieder eine Rolle. Der Stadtrat beschloss den Bau dreier Häuser mit 18 Wohneinheiten an der Osterleite, weitere zehn entstehen zusammen mit der Lenggrieser Baugenossenschaft an der Kohlstattstraße. "Damit haben wir dann einen schönen Sprung gemacht", sagt Bürgermeister Josef Janker (CSU).

Beide Projekte werden nächstes Jahr geplant, 2018 sollen sie abgeschlossen sein. Für die drei Häuser an der Osterleite, die 5,50 bis 7,50 Euro Miete pro Quadratmeter kosten sollen, nimmt die Stadt ein Darlehen über 1,81 Millionen Euro bei der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt auf. Der Rest von 1,46 Millionen Euro wird über staatliche Zuschüsse finanziert. Geplant sind Ein-, Zwei- und Drei-Zimmer-Domizile mit einer Gesamtfläche von 908 Quadratmetern. Zusammen mit dem Vorhaben an der Kohlstattstraße hat Bad Tölz dann insgesamt 324 Sozialwohnungen.

Zwischen Banater Straße (unten) und Elbestraße (oben) sollen sich mehr als 1500 Menschen ansiedeln.

(Foto: Manfred Neubauer)

"Jeder hat bei uns ein Dach über dem Kopf", sagt Janker. Das Problem ist allerdings, dass die preiswerten Quartiere nahezu allesamt belegt sind, selten wird mal eines davon frei. Ein Ehepaar zum Beispiel, das ein oder zwei Kinder bekommt, hat es deshalb schwer, eine größere Unterkunft zu finden. "Wir haben keine Wohnungsnot, aber eine Not an solchen Wohnungen", sagt der Bürgermeister. "Da tust du dich hart, wenn du keinen Leerstand hast."

Als Herausforderung für die Zukunft sieht Armin Ebersberger den Bau neuer Sozialwohnungen. Die sind nach Ansicht des kommunalen Sozialplaners dringend nötig in einer Stadt, in der betuchte Senioren gerne ihren Alterssitz aufschlagen. Krankenschwestern oder Altenpfleger, die sich dann um diese Neubürger kümmern müssen, können sich mit ihrem Gehalt die hohen Mieten in Tölz jedoch nicht leisten. Da habe Ebersberger schon recht, sagt der Bürgermeister. Allerdings verweist er darauf, dass die Stadt nicht so untätig geblieben sei. Die Häuser an der General-Patton-Straße habe man saniert, auf dem Grundstück des ehemaligen Holzerhauses an der Königsdorfer Straße sei ein Mehrfamilienhaus entstanden, sagt er. Und über das Areal an der General-Patton-Straße, das dem Bund gehört, verhandle man weiter, um auch dort acht bis zwölf Sozialwohnungen zu schaffen. "Das ist etwas zäh", sagt Janker über die Gespräche mit dem Bund.

Unter den knapp 400 Flüchtlingen, die Bad Tölz aufgenommen hat, sind laut Janker etwa 50 sogenannte Fehlbeleger - also anerkannte Asylberechtigte, die sich theoretisch selbst eine Wohnung suchen müssen, aber keine finden. Um sie macht der Tölzer Bürgermeister sich vorerst allerdings keine Gedanken. Mit dem Landkreis sei vereinbart, dass sie in den bisherigen Unterkünften bleiben dürfen. Gebe es keine Kostenerstattung durch den Freistaat mehr, übernehme der Kreis die Ausgaben und finanziere dies über die Kreisumlage, die alle 21 Städte und Gemeinden zahlen müssen. Der Tölzer Bürgermeister ist um diese Regelung froh. Die Fehlbeleger, sagt er, "würden uns sonst sofort auf die Füße fallen".

Beispielhaft: Das "Milchhäusl" in Münsing wird durch einen Sozialwohnungsbau ersetzt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Für Janker gibt es jenseits des Sozialwohnungsbaus auch noch andere Lösungen. Wer ein Haus habe und Hilfe im Alter brauche, könne eine Einliegerwohnung für die Pflegekraft einrichten, sagt er. Oder auch: Die Großeltern leben in einem großen Reihenhaus, die Enkel, die gerade Kinder bekommen haben, in einer Eigentumswohnung. Beide könnten dann tauschen, so der Bürgermeister. "Das ist vernünftig." Über verschiedene Nutzungen gäbe es "noch einiges an Kapazitäten".