bedeckt München 12°

Lichtblicke in der Krise:Christkindl to go

Selbst mit Mund-Nasenschutz und Securitydienst hat der Geretsrieder Weihnachtsmarkt etwas Tröstliches in dieser kulturarmen Corona-Zeit

Kommentar von Felicitas Amler

Adventsstimmung mit Mund-Nasenschutz und Security? Das scheint nicht recht zusammenzupassen. Andererseits: Ein wenig vorweihnachtliche Atmosphäre, und sei sie auch von Corona-Disziplin geprägt, ist in diesen tristen Zeiten besser als nichts. Die Stadt Geretsried jedenfalls versucht, trotz Krise ein paar Glanzpunkte zu setzen und Anlässe zu schaffen, damit Menschen die eigenen vier Wände mal wieder verlassen. Die meisten sind ja, da sie zur Arbeit im Home-Office gezwungen sind und es praktisch kein gesellschaftliches Leben mehr gibt, zur inneren Einkehr verdammt. Schön, wenn man da mal rausgerissen wird.

Im Geretsrieder Rathaus ist offenbar viel diskutiert und abgewogen worden. Der übliche Christkindlmarkt kann coronabedingt nicht stattfinden - er ist ja gerade auf die intensiven Begegnungen ausgerichtet, die derzeit vermieden werden müssen. Gewöhnlich schlendert man entspannt über den Weihnachtsmarkt, verweilt bei einem Glas oder einem Happen an den Buden, plaudert und kommt einander auch näher. Genau dies soll der Securitydienst, der an den vier Adventssamstagen über den Karl-Lederer-Platz streifen wird, verhindern. Und dennoch wird es ein Event werden. Eines der wenigen Ereignisse in diesem Krisenjahr, das real und nicht nur virtuell stattfindet.

Geretsried ist, was das kulturelle Leben angeht, ohnedies bisher besser als andere durch die Krise gekommen. Der Kulturverein Isar-Loisach und die Geltinger Kulturbühne "Hinterhalt" bieten unermüdlich beeindruckende Streamingkonzerte an. Und die Stadt hat bereits mit ihrem "Isarsommer" Kulturschaffenden eine Bühne gegeben. Der "Isarwinter" präsentiert nun zwar keine Auftritte. Aber auch ein Christkindl to go kann doch ein kulturelles Ereignis sein.

© SZ vom 26.11.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema