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Lernen am Wasser:Gefährliche Schönheit

Auf neuen Lehrpfad-Tafeln am Lainbach bei Benediktbeuern erläutert das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, welche Schäden ein Wildbach in den Bergen ohne Schutzmaßnahmen anrichten kann

Eine Gruppe Schulkinder springt vergnügt im Lainbach umher. Im seinem Bett steht ein Treibholzrechen aus 32 großen, rostbraunen Stahlsäulen, die bei Hochwasser ganze Baumstämme festhalten sollen. Gleich dahinter fällt das Wasser über eine Steinmauer, die Kinder stellen sich genau unter den Strahl und gönnen sich eine Abkühlung. Das Foto zeigt, wie romantisch ein alpiner Bach ist. Auf den neuen Info-Tafeln des Wildbachlehrpfads, der auf vier Kilometern entlang des Lainbachs bis zur Söldner Alm führt, ist aber auch zu sehen, wie gefährlich ein solches Gewässer in den Bergen sein kann, wenn es über die Ufer tritt.

Wildbäche wie der Lainbach bei Benediktbeuern sind schön, können aber auch gefährlich werden.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Im Rahmen des Projekts "BayernTourNatur 2017" des Umweltministeriums wurden die überarbeiteten Tafeln jetzt vorgestellt, dazu gab es eine Führung mit Fachleuten. Der Pfad wurde 1996 angelegt. Er soll Wanderer über die Gefahren eines Wildbachs, über die Pflanzen und Tiere sowie über die Schutzmaßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes aufklären. Im vergangenen Jahr wurden die Schilder erneuert und die Texte aktualisiert. "Es ist vor allem wichtig, den Kindern die Natur nahezubringen und auch auf die Gefahren hinzuweisen, da Wildbäche oft als reine Naturschönheiten verklärt werden", sagte Hans Kiefersauer, Bürgermeister von Benediktbeuern (CSU/BM).

Die Bürgermeister Thomas Holz aus Kochel, Wasserwirtschaftsamts-Leiter Roland Kriegsch und Bürgermeister Hans Kiefersauer aus Benediktbeuern stellten den neuen Lehrpfad am Lainbach vor.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Auf der ersten Tafel werden die Besucher über die Charakteristiken eines Wildbachs informiert. Dieser hat streckenweise ein großes Gefälle, die Abflussmenge wechselt. Mit und in seinem Wasser transportiert der Bach auch Geröll, Schlamm und Holz. Im Jahresmittel fließt im Lainbach eine Wassermenge von etwa einem Kubikmeter pro Sekunde ab.

Wie Ausnahmen zu Katastrophen führen können, erklärt Kochels Bürgermeister Thomas Holz (CSU) anhand des Hochwassers vom 30. Juni 1990. In Folge eines schweren Gewitters an der Benediktenwand seien im Lainbach 200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Tal geflossen - die zweihundertfache Menge von heute, sagte Holz. An der Mariabrunnbrücke und der Bahnbrücke verstopften Baumstämme, Büsche und Geröll das Bachbett, der Bahndamm wirkte wie eine Barrikade und der Lainbach trat über die Ufer. Das habe zu katastrophalen Überschwemmungen im Ortsteil Ried der Gemeinde Kochel und in Benediktbeuern geführt, erinnert der Bürgermeister. Die Sachschäden beliefen sich auf circa zwei Millionen Euro.

Schautafeln informieren die Wanderer zu Flora, Fauna und die gefahren am Wildbach.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Seit 1992 hat das Wirtschaftswasseramt Weilheim stabilisierende Bauwerke in den Lainbach eingebaut, die Ufer gestützt und in das oberhalb liegende steile Gebiet, in dem sich das Regen- und Schmelzwasser sammelt, Sperren eingebaut. So fließt das Wasser langsamer ab. Statistisch gesehen erreicht der Lainbach alle 100 Jahre einen Abfluss von etwa 110 Kubikmeter in der Sekunde. Eine solches Hochwasser können die Wildbachbauwerke nun abfangen. Und auch höhere Abflüsse wie 1990 könnten durch Sicherheitszuschläge bewältigt werden, erklärte Hans Huber von der Flussmeisterstelle Benediktbeuern.

Wer den Pfad vom Dorf aus in Richtung Söldner Alm entlang läuft, kommt nach etwa zehn Minuten am Treibholzrechen vorbei. Die drei bis vier Meter hohen Stahlsäulen stehen mitten im Bachbett. Sie sind V-förmig angeordnet und sollen bei Hochwasser das Treibholz wie ein Rechen abfangen, sagte der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weilheilm, Roland Kriegsch. Die 32 Säulen sind fest in ein massives Fundament einbetoniert und müssen bei Hochwasser dem gewaltigen Druck stand halten. Beim Pfingsthochwasser 1999 habe sich der Treibholzrechen schon bewährt, sagte Kriegsch. Das Bauwerk sei als erstes dieser Art am Lainbach realisiert worden. Der Treibholzrechen kostete 900 000 Euro. Sämtliche Sanierungsarbeiten sollen 2018 fertig werden, die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 13,5 Millionen Euro. Die Weilheimer Behörde weist auf den Tafeln am Lainbach nicht nur auf den Hochwasserschutz und die eigene Arbeit hin, sondern erklärt auch die Geologie sowie die Flora und Fauna des Bachs.