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Lenggrieser Politik:Blühstreifen und Blumenschmuck

Lenggries will Flächen für die Artenvielfalt schaffen

Noch dominiert im Isarwinkel das Weiß, im Lenggrieser Gemeinderat wehte am Montag aber bereits ein Hauch von Frühling. Den Anstoß hatte ein Antrag der Grünen gegeben: Sie wollen, dass auch in der Brauneckgemeinde geeignete Grünflächen sukzessive nach ökologischen Gesichtspunkten umgestaltet und mehrjährige heimische Pflanzen angesät werden. Im Gemeinderat wurde der Antrag mit 16 zu neun angenommen - allerdings nicht ohne kritische Stimmen, die sich für eine Beibehaltung des klassischen Blumenschmucks vor allem im Zentrum einsetzten.

Seit dem Volksbegehren vor zwei Jahren sei das Thema Artenvielfalt in der Öffentlichkeit angekommen, sagte Grünen-Sprecher Roman Haehl. Nicht nur Landwirte und Gartenbesitzer seien gefragt, sondern auch Kommunen. Es zeige die nachhaltige Orientierung einer Gemeinde, wenn sie auf Kreisverkehren Blühwiesen anpflanze. Die Grünen wollen den Vorschlag nicht als "Hauruck-Aktion" umsetzen, sondern in Absprache je nach Kapazitäten des Bauhofs. Dessen Arbeit könnte sich aber reduzieren, weil mehrjährige Bepflanzungen weniger Pflegeaufwand bedeuteten, sagte Haehl. Nötig seien Infotafeln für die Bürger, weil Blühwiesen "nicht immer so attraktiv sind".

In Lenggries gebe es bereits eine nachhaltige Blühfläche südlich des Karwendelparkplatzes, erklärte Geschäftsleiter Tobias Riesch. Dort habe man bereits Erfahrungen gesammelt. Wichtig sei, dass man auf Saatgutmischungen achte, die einer Verbreitung des giftigen Jakobskreuzkrauts keinen Vorschub leisteten. Auch die Akzeptanz der Bürger sei wichtig, denn die Flächen würden nicht mehr gemäht, und mehrjährige Pflanzen müssten vertrocknen, um neu aussamen zu können. "Das schaut nicht unbedingt schön aus", sagte Riesch.

Auch Josef Wasensteiner (CSU) zeigte sich wenig begeistert. Der Blumenschmuck in der Gemeinde, der seit mehr als 20 Jahren mit den "Pflanzdamen" vom Gartenbauverein gestaltet werde, sei den Bürgern wichtig. Ob Kreisverkehre der richtige Platz seien, um Bienen anzulocken, bezweifelte Wasensteiner. "Und wenn alles nur noch dürr und braun ist, ist das auch nicht schön". Er plädierte dafür, "beides zu berücksichtigen". Das sah auch Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG) so: An touristisch frequentierten Orten wie beim Rathaus sollten weiterhin Blumenrabatten gepflanzt und der Gartenbauverein eingebunden werden. Gleichzeitig wolle man sich nach geeigneten Rasenflächen für Blühwiesen umsehen. Wegen der Verkehrssicherheit dürfe aber nur Saatgut verwendet werden, "das nicht so hoch wächst."

© SZ vom 23.01.2021 / schp
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