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Lenggries:Wie vom Leben geformt

Max Pollinger Staatspreisträger

Markus Pollinger hat seine deformierten Kupfergefäße als Abschlussarbeit an der Akademie hergestellt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Goldschmied Markus Pollinger vergleicht seine eigenwilligen Kreationen mit dem Menschen

Es sind verrückte, verbeulte, deformierte Körper, die ihren Charme genau dadurch erhalten: Der Gold- und Silberschmied Markus Pollinger aus Lenggries bearbeitet Kupfer mit Schlägen, Pressungen und Stößen, so dass es eigenwillige Formen erhält. Falten, Quetschungen, Biegungen und Beulen verleihen dem Metall einen anziehenden Zauber. "Manchmal wird dem Körper eine Mimik gegeben, als würde er zu einem sprechen wollen", sagt Pollinger.

Für diese Idee und die technischen Ausarbeitung erhielt 32-jährige Lenggrieser den Bayerischen Staatspreis in der Kategorie Gestaltung. Er wurde ihm von Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse IHM überreicht.

Ausgangsmaterial für die Kunstobjekte ist eine bloße Blechronde, aus der Pollinger mit Drücken und Hämmern eine Schale herstellt. Anschließend lötet er einen Deckel auf, so dass ein Vakuum entsteht. Nun wird der Ursprungskörper ein weiteres Mal mit Hämmern, Pressen und Drücken traktiert. Man kann diese Arbeit Deformieren, Beulen oder Quetschen nennen. "Durch die vielen Versuche, die ich im Vorfeld gemacht habe, weiß ich ungefähr, was passiert", sagt Markus Pollinger. "Aber es wirkt ja auch noch eine andere Kraft auf den Körper, von innen heraus, das Vakuum." So unterliegt der Deformierungsprozess auch noch einen gewissen Zufall.

Wenn Pollinger zufrieden ist mit der neuen Form seines Metallgefäßes, sprüht er eine Art pulverisierten Lack auf. Dieser brennt sich im Ofen in die Objekte ein und erzeugt eine gleichmäßige, glatte Oberfläche.

Für Pollinger stellen diese Kunstobjekte auch einen Spiegel der Zeit dar. Der Mensch verändere sich unentwegt, sagt der Gold- und Silberschmied. Teilweise seien es Prozesse von innen heraus, teilweise werde der Mensch aber auch von der Gesellschaft gezwungen, sich anzupassen. "Er wird (Schicksals-)Schlägen ausgesetzt, er wird gedrückt, verformt, im negativen Falle zerbeult und zerstört, bis er in der Gesellschaft so gelten kann, wie er geworden ist." Manchmal entstünden zermürbte, gebeutelte Charaktere, manchmal wunderschöne, anmutige Körper. Aber ein jeder sei individuell - für den einen mit einer anziehenden, für den anderen mit einer abweisenden Ausstrahlung.

Pollinger arbeitet vorwiegend in seinem Atelier in der Gaißacher Straße 1, direkt zwischen der Lenggrieser Pfarrkirche und der Dorfschänke. Dort stellt er seine Kunstobjekte auch aus und verkauft sie. Er hat neben dem Verformen von Metall noch andere handwerkliche Leidenschaften. So produziert er hochwertige Messer aus Damaszener-Stahl. Sein Credo fasst er so zusammen: "Individuelle Gestaltung und die Schaffung von Unikaten, das alles ist der Reiz am Schmieden. Egal ob extravagante Materialien, komplizierte Formen, Mechaniken oder Betreten von kreativem Neuland - es macht große Freude den Wünschen meiner Kunden gerecht zu werden."